Test: Olympus E-5 – aller guten Dinge sind drei

Olympus E-5 im Test
Digitale Spiegelreflexkamera: Olympus E-5 im Test

Die E-5 ist nach der E-3 und E-1 nun die dritte Profi-DSLR von Olympus, die auf dem Four-Thirds-Standard basiert. Geschützt vor Staub und Spritzwasser garantiert sie selbst in raueren Umgebungen professionelle Aufnahmen. Ob Sie die Kamera buchstäblich in die Wüste schicken können, verrät der Test von Player.de

Ganze drei Jahre hat sich Olympus mit der Weiterentwicklung der E-3 Zeit gelassen, ehe im vergangenen Herbst endlich das neue Flaggschiff E-5 präsentiert wurde. Die optischen Unterschiede des 1.700 Euro teuren Nachfolgemodells fallen aber eher marginal aus: Zwar wird die Rückseite nun von einem noch größeren Display dominiert und wirkt insgesamt ein wenig aufgeräumter, doch sind die Abmessungen sowie das Kameradesign absolut identisch geblieben. Kein Wunder, schließlich gefiel schon die Vorgängerin durch ihre ausgeklügelte Ergonomie für anspruchsvolle Fotografen.

Vergleich Olympus E-3 und E-5
Bewährtes Design: Die Kamerafront der E-5 ist im Vergleich zur Vorgängerin unverändert geblieben

Technik

Bildstabilisator der Olympus E-5

Auch wenn die E-5 zusammen mit dem für unseren Test verwendeten Zoomobjektiv Zuiko Digital ED 12-60mm f/2.8-4.0 SWD (Preis: 1.419 Euro) stolze 1,5 Kilogramm auf die Waage bringt, liegt sie dank der griffigen, gummierten Wulst ausgesprochen komfortabel in der Hand. Über die Four-Thirds-Fassung sind alternativ viele weitere Systemobjektive anschließbar.

Das magnesiumlegierte Gehäuse ist sehr solide verarbeitet und speziell abgedichtet, wodurch laut Hersteller weder Staub noch Spritzwasser der Technik etwas anhaben können. So verspricht der eingebaute 17,3 x 13 mm große Live-MOS-Sensor mit einer Auflösung von 12,3 Megapixeln selbst unter widrigen Bedingungen hervorragende JPEG- und RAW-Bilder. Das „Supersonic Wave Filter“-Staubschutzsystem verhindert effektiv störende Schmutzablagerungen auf der Sensorfläche.

Der optische Sucher bietet hundert Prozent Sichtfeld sowie eine 1,15-fache Vergrößerung. Die Lichtempfindlichkeit reicht von ISO 100 bis ISO 6.400. Ebenso ist die Verschlusszeit zwischen einer Achttausendstelsekunde und einer Minute frei einstellbar, kann im Langzeitbelichtungsmodus (Bulb) aber auch individuell über den Auslöser gesteuert werden.

Integrierter Blitz der Olympus E-5
Der interne Blitz befindet sich über dem optischen Sucher

Gegen Verwacklungen lässt sich der optische Bildstabilisator „Supersonic Wave Drive“ mit drei verschiedenen Modi zuschalten. Auf diese Weise hat man zum Beispiel beim Fotografieren bewegter Objekte die Möglichkeit, die Stabilisierung nur auf die horizontale oder vertikale Achse zu beschränken. Als erste DSLR von Olympus verfügt die E-5 über eine HD-Videofunktion, die mit 30 Vollbildern pro Sekunde und einer Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln im AVI-Format (Motion-JPEG) aufzeichnet.

Eine 3,5-mm-Klinkenbuchse für den Anschluss eines externen Stereomikrofons ist ebenfalls an Bord. Ohne eingelegte Speicherkarte sind weder Bild- noch Videoaufnahmen möglich. Von der Kamera akzeptiert werden zur Speicherung Compact Flash (CF) sogar SD-Medien. Inhalte können je nach Bedarf hin- und herkopiert werden.

Display-Vergleich Olympus E-3 und Olympus E-5
Die Rückseite der neuen Olympus E-5 (rechts) wirkt aufgeräumter und übersichtlicher als die der Vorgängerin E-3

Bedienung

Olympus Zuiko Digital ED 12-60mm f/2.8-4.0 SWD
Nur 280 Euro günstiger als die Kamera: Das in Verbindung mit der E-5 getestete Objektiv Zuiko Digital ED 12-60mm f/2.8-4.0 SWD kostet stolze 1.419 Euro

Dass sich die E-5 an erfahrene Fotografen richtet, macht sie unmissverständlich mit ihrem Bedienkonzept klar: Die vielen Knöpfe, Schalter und Drehregler wirken auf Einsteiger wenig einladend, um nicht zu sagen abschreckend. Abhilfe schafft hier nur das Herumprobieren oder die knapp 150-seitige Bedienungsanleitung, die jedes noch so kleine Feature erklärt. Die Tasten haben einen auffällig großen Hub, weswegen der Befehl erst beim vollständigen Eindrücken erkannt wird.

Nach einer Eingewöhnungsphase gefällt das Gerät trotzdem durch eine gleichermaßen flotte wie einfache Steuerung. Leider hat Olympus wieder einmal auf das nützliche Modus-Wahlrad verzichtet. Stattdessen muss der gewünschte Aufnahmemodus über „Mode“ sowie das hintere Einstellrad ausgewählt werden. Praktisch finden wir jedoch, dass man sowohl über den vorderen als auch den hinteren Drehregler verschiedene Parameter festlegen kann, ohne die Kamera vom Auge zu nehmen. Dazu gehören insbesondere die Blende, die Verschlusszeit sowie die ISO-Lichtempfindlichkeit.

Hauptmenü der Olympus E-5
Im Hauptmenü lassen sich neben dem Fokus auch verschiedene Belichtungseinstellungen nach Belieben anpassen

Typisch für eine DSLR bietet die E-5 natürlich noch viele weitere Einstelloptionen, die dem Fotografen viel Einfluss auf das Bildergebnis ermöglichen. Die wichtigsten Werte zeigt das Gerät direkt im Sucher und in der LCD-Funktionsanzeige an. Bei Bedarf lässt sich selbst eine digitale Wasserwaage einblenden (im Menü als „Nivell.-Anzeige“ bezeichnet). Ein Statusbalken in der manuellen Aufnahmefunktion informiert zudem darüber, ob das Lichtverhältnis stimmt.

Das neue Flaggschiff knipst bis zu fünf Bilder pro Sekunde und punktet mit einer sehr kurzen Auslöseverzögerung. Dank des schwenkbaren Displays gelingen im Live-View-Modus tolle Aufnahmen aus ungewöhnlichen Blickwinkeln. Obwohl das Panel nur um ein halbes Zoll auf eine Diagonale von drei Zoll (7,6 cm) gewachsen ist, hat sich die Auflösung vervierfacht (920.000 statt 230.000 Pixel). Das kommt vor allem der Bildwiedergabe zugute, da Details sogar ohne Vergrößerung erkennbar sind.

Infodisplay der Olympus E-5
Wird der optische Sucher aktiviert, lassen sich am display zahlreiche Direkteinstellungen vornehmen
Wasserwaage der Olympus E-5
Schnellmenü der Olympus E-5
Schnellmenü: die wichtigsten Bildparameter kann der Fotograf auch bequem über die OK-Taste abrufen

RAW-Fotos (zwölf Bit) konvertiert die Kamera auf Wunsch gleich ins JPEG-Format. Ebenso können JPEG-Dateien verkleinert oder Schattenbereiche mittels einer Gegenlichtkorrektur aufgehellt werden. Apropos aufhellen: Wem der interne Blitz nicht ausreicht, kann über den Zubehörschuh ein professionelles Blitzgerät anschließen, wobei sich externe Servoblitze auch drahtlos ansteuern lassen.

Für die Einbindung in professionelle Studiolichtsysteme hält die E-5 eine entsprechende Schnittstelle auf der Vorderseite bereit. Hinter einer Gummiabdeckung verbergen sich außerdem ein Anschluss für die externe Stromversorgung, ein AV-Ausgang, je ein USB- und HDMI-Port sowie besagte Mikrofon-Klinkenbuchse.

Olympus E-5 ohne Objektiv
Perfekte Ergonomie: Dank des abgeschrägten Auslösers lässt sich die E-5 entspannt bedienen

Kreativprogramme

Batteriegriff HLD-4 für die Olympus E-5
Aufnahmen en masse: Wem die Akkuleistung nicht ausreicht, kann zum separat erhältlichen Batteriegriff HLD-4 für 299 Euro greifen

Dem Anspruch eines Werkzeugs für professionelle Fotografen wird die E-5 auch in puncto Kreativprogramme gerecht: Voreingestellte Automatikprogramme wie zum Beispiel einen Sport-, Landschafts- oder Feuerwerksmodus sucht man vergebens. Das wundert in dieser Geräteklasse zwar kaum, doch ganz weglassen wollte Olympus manche Spielereien trotzdem nicht. So stehen neben den fünf Bildmodi „i-Enhance“, „Vivid“, „Natural“, „Muted“ und „Portrait“ insgesamt zehn Art-Filter zur Verfügung.

Da wären beispielsweise ein Lochkamera-Effekt, eine zarte Sepia-Tönung, knallige Pop-Art-Zeichnungen, eine Diorama-Darstellung sowie ein „dramatischer Effekt“ , der in etwa mit einem HDR-Bildstil vergleichbar ist. „Soft Focus“, „Blasse Farben“, „Weiches Licht“, „Monochrom Film“ und „Crossentwicklung“ runden das Repertoire ab. Leider fehlt eine Vorschaufunktion, weswegen man jeden Punkt erst aktivieren und das Menü verlassen muss, um die Auswirkungen auf die Aufnahme zu sehen.

Dafür liefern die Filter sehr schöne Ergebnisse und funktionieren sogar im Videomodus. Die Bildmodus-Voreinstellungen sind übrigens in gleich vier Bereichen (Kontrast, Schärfe, Sättigung und Gradation) an den persönlichen Geschmack anpassbar. Wer klassische Schwarz-Weiß-Aufnahmen bevorzugt, wird mit dem separaten „Monoton“-Effekt glücklich.

Bildqualität

Für die Bildverarbeitung setzt Olympus auf den TruePic-V+-Prozessor, der dank „Fine Detail Processing“-Technologie den Eindruck einer höheren Auflösung im Vergleich zu Kameras mit der gleichen Pixelanzahl erzeugen soll. Aller anfänglichen Skepsis zum Trotz gelingt der E-5 dieses Vorhaben tatsächlich – und das sogar mit überraschend guten Ergebnissen: Sowohl winzige Details als auch dezente Konturen stellt der Four-Thirds-Bildsensor knackig scharf dar und toppt teilweise sogar die Abbildungsqualität unseres teureren Referenzgeräts.

Ebenso haben uns die makellose Durchzeichnung, das niedrige Rauschverhalten sowie die klare Farbdifferenzierung gefallen, wobei wärmere Farbtöne allerdings leicht übersättigt wirken. Leider neigte die Belichtungsautomatik in unseren Testaufnahmen trotz Mehrfeldmessung zur Unterbelichtung. So verschwammen bei abnehmender Helligkeit vor allem fein strukturierte, kontrastarme Bildbereiche.

Beispielfoto der Olympus E-5
Trotz des dichten Morgennebels beweist die Olympus E-5 hier eine hohe Detailtreue und ein sehr gutes Kontrastvermögen

Wer allerdings die Belichtungskorrektur und eventuell den Aufhellblitz gekonnt einsetzt, wird dieses Problem schnell beheben können. Beim Fotografieren mit dem internen Blitz aus kürzerer Distanz wirft die Streulichtblende des Objektivs einen starken Schatten. Die E-5 unterstützt neun verschiedene Bildformate (4:3, 16:9, 3:2, 6:6, 5:4, 7:6, 6:5, 7:5 sowie 3:4) und verfügt zudem über eine Abblendtaste zur Überprüfung der Schärfentiefe sowie über einen mechanischen Bildstabilisator, der in Verbindung mit einem kompatiblen Wechselobjektiv äußerst zuverlässig arbeitet.

Der 720p-Videomodus befindet sich jedoch nur auf Mittelklasseniveau, zumal moderne Profi-DSLRs mittlerweile schon fast serienmäßig in der Full-HD-Auflösung von 1080p filmen können.

Olympus E-5: Vergleichsbild 1
Wärmere Farbtöne wie zum Beispiel Pink oder Orange neigen bei der E-5 zur Übersättigung (links). Die Farben der Gummibänder im Referenzbild sehen originalgetreu aus
Olympus E-5: Vergleichsbild 2
Detailverliebt: Die E-5 bildet das Sieb extrem scharf und realistisch ab (links). Nicht einmal im Referenzbild wird das Sieb so scharf durchgezeichnet

Player.de-Testurteil: Sehr gut mit Kauftippplayer.de meint:
„Was lange währt, wird endlich gut“ – lange Entwicklungszeiten können sich wirklich lohnen: Die E-5 punktet besonders mit ihrer ausgereiften Technik, die dem Four-Thirds-Bildsensor trotz verhältnismäßig kleiner Abmessungen (17,3 x 13 mm) zu einer hervorragenden Fotoqualität mit überzeugender Detailschärfe und niedrigem Rauschverhalten verhilft. Der Videomodus liefert zwar annehmbare Ergebnisse, wird dem anvisierten Profiniveau aber leider nicht ganz gerecht, zumal viele Konkurrenzgeräte bereits in Full-HD aufzeichnen können. Die robuste Verarbeitung, das schwenkbare, hochauflösende Display und die perfekte Ergonomie bringen dem neuen Olympus-Flaggschiff dennoch das Player.de-Qualitätssiegel „Sehr gut“ ein. Wegen des fairen Preis-Leistungs-Verhältnisses vergeben wir auch noch einen Kauftipp. Das getestete Kamerasystem (Olympus E-5 und Zuiko Digital ED 12-60mm f/2.8-4.0 SWD) kostet zusammen übrigens rund 3.100 Euro und ist jeden Cent davon auch wert.

Weiterführende Links:
Olympus

Olympus E-5

Preis lt. Hersteller: 1.700,- Euro (nur Gehäuse)
AUSSTATTUNG
Sensor/Auflösung: Live-MOS mit 12,3 Megapixeln
Objektiv: Four-Thirds-Fassung, getestet mit Zuiko Digital ED 12-60mm f2.8-4.0 SWD, Brennweite: 24 bis 120 mm (KB)
ISO: 100 bis 6.400
Verschlusszeiten: 1/8.000 bis 60 Sekunden (+ Bulb-Modus)
LC-Display: 3 Zoll (920.000 Pixel)
Besonderheiten: Staub- & Spritzwasserschutz, schwenkbares Display, 100%-Sucherbildfeld, Wasserwaage
BEWERTUNG
Technik: 5 von 5 Punkten
Bedienung: 4 von 5 Punkten
Kreativprogramme: 4,5 von 5 Punkten
Bildqualität: 5 von 5 Punkten
Pro: Überragende Fotoqualität mit hoher Detailschärfe, gute Ergonomie, schwenkbares Display, robustes Gehäuse, unterstützt CF- und SD-Karten
Contra: Keine Full-HD-Videofunktion, hohes Gewicht, kein interner Speicher
Player.de-GESAMTWERTUNG Sehr gut mit Tipp