Test: Canon EF 8-15mm f/4L Fisheye USM – der Blick durch die Kugel

Canon EF 8-15mm f/4L Fisheye USM im Test
Fischaugenobjektiv: Canon EF 8-15mm f/4L Fisheye USM im Test

Die Welt durch Fischaugen sehen – das neue Canon EF 8-15mm f/4L Fisheye USM macht’s möglich. Zwar sollte man mit dem Ultraweitwinkelzoom lieber nicht auf Tauchgang gehen, aber der 180-Grad-Bildwinkel bietet auch an Land außergewöhnliche Perspektiven. Player.de hat den extremen Blick gewagt.

Tun die einen Fotografen fast alles, um optische Verzerrungen und Vignettierungen zu korrigieren oder von Anfang an zu vermeiden, geben andere eine Stange Geld aus, um genau diese Effekte zu erreichen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das neue EF 8-15mm f/4L Fisheye USM aus dem Hause Canon. Das Fischaugenobjektiv der hochgelobten L-Serie kostet knapp 1.400 Euro und bietet einen Bildwinkel von 180 Grad. Dadurch eignet es sich nicht nur perfekt für weite Landschaften, enge Räume sowie Panoramen, sondern vor allem auch für außergewöhnliche Effektaufnahmen. Die Besonderheit: Man kann zwischen kreisrunder und Vollformatabbildung wählen.

Aufbau und Technik

Filterhalter des Canon EF 8-15mm f/4L Fisheye USM
Statt eines klassischen Filtergewindes besitzt das Fischauge auf der Rückseite einen Halter für Gelatine- und Folienfilter

Obwohl im Produktnamen das Gegenteil behauptet wird, ist das EF 8-15mm f/4L Fisheye USM – zumindest aus umgangssprachlicher Sicht – definitiv kein 08/15-Zoomobjektiv. Das erkennen sogar Laien auf den ersten Blick an der riesigen, stark gewölbten Frontlinse. Diese hat Canon übrigens, ebenso wie das rückseitige Glas, mit einer wasser-, staub- und schmutzabweisenden Fluor-Beschichtung versehen, wodurch sich die Optik besonders leicht reinigen lässt.

Das Linsensystem selbst besteht aus 14 Elementen in elf Gruppen, darunter je eine asphärische sowie eine UD-Linse (Ultra-low Dispersion). Die Spezialgläser sollen diverse Abbildungsfehler wie etwa Unschärfen und chromatische Aberrationen (Farbsäume) auf ein Minimum reduzieren.

Darüber hinaus verfügen alle verbauten Linsen über die sogenannte Super-Spectra-Vergütung, die Streulichtern und Blendenreflexen entgegenwirkt. Schutz davor bietet auch die mitgelieferte Streulichtblende EW-77 mit einer Befestigungsmöglichkeit für den Objektivdeckel.

Streulichtblende des Canon EF 8-15mm f/4L Fisheye USM
Die Streulichtblende dient hauptsächlich als Halterung für die Objektivabdeckung - wird eine Vollformatkamera verwendet, ist sie im Bild zu sehen

Das Linsensystem wurde für die Verwendung mit den drei Sensorformaten APS-C, APS-H und Kleinbild entwickelt. Je nach eingestellter Brennweite lässt sich so ein Kreisbildfischaugen- oder Diagonalfischaugen-Effekt erzielen. Um beispielsweise an APS-C-Kameras eine vignettierungsfreie Abbildung zu erhalten, kann man die Mindestbrennweite mithilfe der Zoomsperre auf zehn Millimeter limitieren. Für die EOS-1D-Modelle mit APS-H-Chip ist bei zwölf Millimetern lediglich eine Markierung vorhanden.

Der Anschluss der Optik erfolgt über das EF-Bajonett. Typisch für die L-Serie ist der staub- und spritzwassergeschützte Tubus, was insbesondere Outdoor-Fotografen erfreuen dürfte. Das EF 8-15mm f/4L Fisheye USM bringt 540 Gramm auf die Waage und misst 78,5 x 83 Millimeter (Durchmesser x Länge).

Fokus und Bildstabilisierung

Entfernungsskala des Canon EF 8-15mm f/4L Fisheye USM
Die eingebaute Entfernungsskala erleichtert das manuelle Fokussieren im Nahbereich - eine Nachjustierung der Schärfe von Hand ist auch im AF-Modus möglich

Genauso wie Canons 70-bis-300-Millimeter-Telezoom der L-Serie ist das neue Fischauge mit einem Autofokusantrieb auf Ultraschallbasis ausgestattet: Der ringförmige USM (Ultraschallmotor) fällt zwar größer aus als viele herkömmliche AF-Systeme, arbeitet dafür aber wesentlich schneller und leiser. Das automatische Scharfstellen dauert unter idealen Lichtbedingungen kaum länger als ein Wimpernschlag und geht äußerst präzise vonstatten. So ist (fast) jeder Schuss ein Treffer.

Zu verdanken ist dies dem piezoelektrischen Element, das elektronische Vibrationen erzeugt und so die Objektivmechanik steuert. Um den Akku der Kamera zu schonen, schaltet sich der Ultraschallmotor nach jedem Fokussieren von selbst ab. Sollte einmal das falsche Objekt anvisiert sein, lässt sich die Schärfe kinderleicht per Fokusring nachjustieren – ein Wechsel in den manuellen Modus ist dafür nicht nötig. Wer dennoch lieber von Hand fokussiert, kommt mit der Entfernungsskala auf seine Kosten. Die Naheinstellgrenze liegt bei 15 Zentimetern.

Beim Knipsen mit dem EF 8-15mm f/4L Fisheye USM empfiehlt es sich, die Hände möglichst ruhig zu halten. Canon hat dem Fischauge nämlich keinerlei Mechaniken zur Bildstabilisierung spendiert. Der Verzicht erscheint allerdings plausibel, da der Brennweitenumfang von acht bis 15 Millimetern (entsprechend Kleinbild) extrem kurz ist und die Optik nicht einmal ansatzweise in den Telebereich vordringt.

Unschärfen treten demnach nur bei längeren Verschlusszeiten auf, die ohnehin ein stabiles Stativ erfordern. Minuspunkte gibt es dafür nicht, zumal das Dreibein allein schon wegen der recht kleinen Blendenöffnung von f/4,0 zur Standard-Reiseausrüstung eines ambitionierten Fotografen gehören sollte. In der Praxis konnten wir also trotz des fehlenden Verwacklungsschutzes keine wirklichen Einschränkungen feststellen.

Formatmarkierungen auf dem Canon EF 8-15mm f/4L Fisheye USM

Bildqualität

Hellgrauer Tubus oder roter Ring – diese Designmerkmale symbolisieren bei Canon-Objektiven nicht nur die Zugehörigkeit zur L-Serie, sondern stehen bekanntlich auch für herausragende optische Eigenschaften. Das beweist das neue Fischauge einmal mehr. Gerade die tonnenförmigen Verzeichnungen, die sonst zur Abwertung führen, tragen in diesem Fall jedoch einen entscheidenden Teil dazu bei: Wie es sich für ein Fisheye gehört, werden (gerade) Linien, die nicht unmittelbar durch die Bildmitte verlaufen, gekrümmt abgebildet.

Auf diese Weise gestattet die Optik sehr originelle Aufnahmen und kreative Effekte, zumal sie eine extrem geringe Naheinstellgrenze bietet. Darüber hinaus kommt bei Vollformatkameras die Möglichkeit hinzu, zwischen einer kreisrunden und formatfüllenden Abbildung zu wählen, indem man einfach die kürzeste beziehungsweise längste Brennweite anfährt.

Das Auflösungsvermögen ist überzeugend, auch wenn es konstruktionsbedingt zum Rand hin sichtbar nachlässt. Zusätzlich treten dort leichte chromatische Aberrationen auf, die in der Mitte aber komplett verschwinden. Besonders gut gefallen uns die hohe Detailtreue, die starken Kontraste und die unverfälschten Farben.

Mit dem Canon EF 8-15mm f/4L Fisheye USM realisiertes HDR-Landschaftspanorama
Weitblick: Mit dem breiten Bildwinkel sollten vor allem Landschaftsfotografen auf ihre Kosten kommen - die Einzelbilder für das HDR-Foto wurden übrigens ohne Stativ aufgenommen

player.de meint:
Wer Weitwinkel mag, wird das Fischauge lieben. Auch wenn sich der Zweck des Objektivs bei Einsteigern und Laien erfahrungsgemäß nicht so ganz erschließen mag, eröffnet Canons neues EF 8-15mm f/4.0L Fisheye USM doch einige kreative Einsatzmöglichkeiten – vom 180-Grad-Panorama über Nahaufnahmen mit selektiver Schärfe bis hin zum ausgefallenen Porträt. Profis dürften dabei vor allem von der extrem geringen Nahdistanz begeistert sein, dank der selbst feinste Details nicht verborgen bleiben. Die Bildqualität ist im Großen und Ganzen makellos, lässt in den äußersten Bereichen baubedingt aber etwas nach. Hier müssen leichte Unschärfen und an harten Kontrasten auch Farbsäume hingenommen werden. Dafür fahren der flotte Autofokus sowie die staub- und spritzwassergeschützte Konstruktion noch ein paar wertvolle Pluspunkte ein. Unter dem Strich bekommt das Fisheye das Player.de-Qualitätssiegel „Sehr gut“.

Weiterführende Links:
Canon

Canon EF 8-15mm f/4L Fisheye USM

Preis lt. Hersteller: 1.399,- Euro
AUSSTATTUNG
KB-Brennweite: 8-15 mm (1,9-fach)
Lichtstärke: f/4,0
Opt. Aufbau:
14 Elemente in 11 Gruppen
Nahgrenze: 15 cm
Bajonett: Canon EF
Länge/Gewicht: 83 mm/540 g
Besonderheiten: Ultraschallmotor, kreisrundes oder formatfüllendes Bild, Staub- & Spritzwasserschutz, Fluorbeschichtung, manuelle Scharfstellung in AF-Modus
BEWERTUNG
Pro: Außergewöhnliche Bilder und Perspektiven, kreative Einsatzmöglichkeiten, kurze Nahgrenze, manueller Eingriff in AF, leiser Ultraschallmotor
Contra: Hoher Preis, Farbsäume im Randbereich/td>
Player.de-GESAMTWERTUNG Sehr gut