Nikon 1 im Detail: Das kann die kleinste und leichteste Systemkamera der Welt

Farbvarianten der Nikon 1 J1
Die Nikon 1 J1 soll die kleinste Systemkamera der Welt sein

Der Digicam-Marktführer Nikon sorgt mit seinen ersten spiegellosen Systemkameras ganz schön für Wirbel: Ob „der Beginn einer neuen Ära“ oder ein „von Grund auf neu entwickeltes, revolutionäres Digitalkamerasystem“ – die 1er-Serie soll de facto die wichtigste Ankündigung des Herstellers sein, seit er vor 14 Jahren seine erste Digitalkamera eingeführt hat. Die Player.de-Redaktion hat sich ein wenig mit den Modellen namens 1 V1 und 1 J1 sowie dem Konzept im Allgemeinen beschäftigt.

Magnesiumbody der Nikon 1 V1
Das stabile Magnesiumgehäuse soll die sensible Technik der Nikon 1 optimal schützen

Zunächst möchten wir Nikons Aussage, die „schnellste, kleinste und leichteste Systemkamera“ vorgestellt zu haben, gerne überprüfen: Mit Abmessungen (B x H x T) von 106 x 61 x 29,8 Millimetern (Nikon 1 J1) beziehungsweise 113 x 76 x 43,5 Millimetern (Nikon 1 V1) sind die beiden Digicams zwar ausgesprochen kompakt, werden allerdings von der – bei weitaus weniger Trubel herausgebrachten – Pentax Q getoppt. Sie unterbietet das kleinere Nikon-Modell sowohl in der Breite als auch in der Höhe um ein paar Millimeter und bringt im betriebsbereiten Zustand (ohne Objektiv) etwa 200 Gramm statt 277 (J1) respektive 383 Gramm (V1) auf die Waage.

 

Die Nikon 1 im Süssigkeitenladen
Lecker: In diesem Beispielfoto legt die Nikon 1 eine überzeugende Farbwiedergabe an den Tag

Innere Größe

Bildsensor der Nikon 1 J1
Der CMOS-Bildsensor für die neue 1er-Serie von Nikon misst 13,2 x 8,8 Millimeter und löst 10,1 Megapixel auf

Ist die Aussage also eine klassische Werbelüge? Nicht ganz! Nikon weist nämlich im Kleingedruckten darauf hin, dass sich das Superlativ „kleinste“ nur auf Digicams mit einem mehr als ein Zoll großen Bildsensor bezieht, während das Gewichtsversprechen auf Modelle mit integriertem elektronischem Sucher zutrifft. Dieser ist übrigens nur bei der Nikon 1 V1 an Bord und löst 1,4 Millionen Pixel auf. Der eingebaute CMOS-Sensor hingegen bringt es auf 10,1 Megapixel Auflösung auf einer Fläche von 13,2 x 8,8 Millimetern (CX-Format) und dürfte damit dem 5,6 x 4,2 Millimeter kleinen 1/2,33-Zoll-Chip der Pentax Q überlegen sein. Die Lichtempfindlichkeit bei den Nikon-Kameras lässt sich von ISO 100 bis ISO 6.400 regulieren. Fotos können dabei im JPEG- und/oder RAW-Format aufgenommen werden.

Durchgehend scharf

Anschlüsse der Nikon 1 V1
An Anschlüssen hält das Top-Modell neben einem HDMI-Ausgang auch einen USB-Port und eine 3,5-mm-Audiobuchse bereit - auf letztere muss man bei der 1 J1 leider verzichten

Mit dem direkt in den Bildsensor integrierten Hybrid-Autofokussystem soll der Sensor dafür sorgen, dass das Motiv in praktisch jeder Situation fokussiert bleibt. Während die Kamera bei glänzenden oder bewegten Objekten auf den Phasenerkennungs-AF mit 73 Messfeldern zurückgreift, aktiviert sie bei unbeweglichen Motiven sowie schwacher Beleuchtung den Kontrast-AF mit angeblich 135 Messfeldern. Ersteres AF-System steht auch im Videomodus zur Verfügung. Gefilmt wird dabei mit maximal 1.920 x 1.080 Pixeln und 60 Halb- (1080/60i) respektive 30 Vollbildern (1080/30p) pro Sekunde. Die Tonaufnahme erfolgt in Stereo. Während des Filmens kann der Fotograf angeblich jederzeit ein Foto in voller Auflösung schießen, ohne dafür die Filmaufzeichnung unterbrechen zu müssen.

Alternativ bietet sich zum Einfrieren von Bewegungsabläufen die Serienbildfunktion an. Sie knipst bis zu 60 Bilder pro Sekunde, wobei die Auflösung dann auf Full-HD (1.920 x 1.080 Pixel) reduziert und der Fokus fixiert wird. Mit Motiv- beziehungsweise Fokusverfolgung sind im gleichen Zeitraum immerhin noch zehn Bilder möglich. Zu verdanken ist dies vor allem dem Bildprozessor EXPEED 3, der gleich über zwei Engines verfügt. Laut Hersteller können die Nikon-1-Modelle dadurch 600 Megapixel in der Sekunde verarbeiten. Apropos: Die „schnellste Systemkamera“ bezieht sich lediglich auf die kurze Auslöseverzögerung in Verbindung mit dem Standard-Zoomobjektiv 1 NIKKOR 10-30 mm.

 

Eine mit der Nikon 1 fotografierte Stickerei
In der Bildmitte beweist Nikons spiegellose Systemkamera ein hohes Auflösungsvermögen - allerdings sorgt das Objektiv für Schärfeverluste am Rand (zu sehen in der 100-Prozent-Ansicht)

Erweiterungsmöglichkeiten

Der Bajonettadapter FT1 ist als optionales Zubehör erhältlich
Der separat angebotene Bajonettadapter FT1 ermöglicht den Anschluss von Nikons DSLR-Objektiven

Die Wechseloptiken werden an das eigens für die Nikon 1 entwickelte 1-Bajonett angeschlossen. Mit derzeit nur vier Linsensystemen (1 NIKKOR VR 10-30 mm, 1 NIKKOR VR 30-110 mm, 1 NIKKOR 10 mm und 1 NIKKOR VR 10-100 mm PD-ZOOM), die insgesamt einen kleinbildäquivalenten Brennweitenbereich von 27 bis 297 Millimeter abdecken, fällt die Auswahl jedoch sehr mager aus. Geht es nach dem Hersteller, ist das aber erst der Anfang – weitere Objektive sollen bereits in Entwicklung sein. Immerhin sind mittels des optionalen Bajonettadapters FT1 auch die DSLR-Optiken von Nikon verwendbar.

Nikon 1 V1 mit Blitzgerät SB-N5
Im Gegensatz zur Nikon 1 J1 bietet die 1 V1 einen Zubehörschuh zum einfachen Anschluss von Blitzgeräten, GPS-Empfängern und externen Mikrofonen

Dank des Zubehörschuhs – welcher der Nikon 1 J1 ärgerlicherweise fehlt – können an die 1 V1 noch weitere externe Komponenten angeschlossen werden. Dazu gehören beispielsweise das horizontal und vertikal schwenkbare Blitzgerät SB-N5, der GPS-Empfänger G-N100 sowie das externe Stereomikrofon ME-1, das eine deutlich bessere Klangqualität gewährleistet.

 

Die Objektive werden über das neue 1-Bajonett angeschlossen
Gleichzeitig mit der 1er-Serie von Nikon kommen vier kompatible 1-NIKKOR-Objektive auf den Markt

Die Highlights

Flexibles Superzoom für Nikons 1er-Serie
Ideal auf Reisen: Das 1 NIKKOR VR 10-100 mm 1:4,5-5,6 PD-ZOOM für 759 Euro bietet einen zehnfachen optischen Zoom

Bieten Nikons erste spiegellose Systemkameras bis hierhin noch keine revolutionären Features, liegen die eigentlichen Neuheiten der 1 J1 und 1 V1 vielmehr darin, was man mit ihnen machen kann: Sie sind quasi in der Lage, sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft zu fotografieren. Klingt zunächst unmöglich, doch basiert die „Smart Photo Selector“ genannte Technik darauf, dass die Digicam bereits beim Antippen des Auslösers beginnt, Fotos zu knipsen und erst kurze Zeit nach dem eigentlichen Abdrücken damit aufhört. Insgesamt nimmt die Kamera so 20 Bilder auf, welche anschließend automatisch ausgewertet werden. Letztlich landen die fünf besten Fotos – aussortiert anhand des schönsten Gesichtsausdrucks, des besten Bildausschnitts und des höchsten Schärfeeindrucks – auf der SD-, SDHC- oder SDXC-Speicherkarte.

Nikon 1 J1 in Pink
Einige Kitoptiken für Nikons 1er-Serie sind in der Farbe des Kameragehäuses gehalten

Eine weitere Besonderheit ist der „bewegte Schnappschuss“. Um es mit den Worten des Herstellers zu erklären: „Dieser Aufnahmemodus nimmt gleichzeitig einen Film in Zeitlupe sowie ein Foto auf und kombiniert diese dann zu einem Bild, das sich bewegt und die Geschichte eines Moments erzählt – ein ‚lebendiges‘ Bild.“ Wie gut die Ergebnisse sind, lässt sich allerdings nur im Rahmen eines Tests beurteilen.

Nikon 1 J1 gegen Nikon 1 V1

Elektronischer Sucher der Nikon 1 V1
Zwei Live-View-Modi: Das Motiv kann bei der 1 V1 entweder über das Display oder durch den elektronischen Sucher betrachtet werden

Auch wenn die beiden Modelle den gleichen Bildsensor und den gleichen Bildprozessor verwenden, gibt es in puncto Ausstattung doch kleine aber feine Unterschiede. So arbeitet die kleinere 1 J1 lediglich mit einem elektronischen statt mechanischen Verschluss. Die Belichtungszeit reicht von einer Sechzehntausendstelsekunde bis zu einer halben Minute. Bei der mechanischen Variante, wie sie zusätzlich in der 1 V1 zum Einsatz kommt, schließt der Verschluss erst nach einer Viertausendstelsekunde. Für Langzeitbelichtungen ab 30 Sekunden ist ein Bulb-Modus an Bord.

Nikon 1 J1 mit ausgeklapptem Aufhellblitz
Besitzer der Nikon 1 J1 müssen mit einem integrierten Aufhellblitz auskommen - einen Blitzschuh gibt es nicht

Darüber hinaus wurde dem Top-Modell sowohl ein elektronischer Sucher mit 1,4 Millionen Punkten als auch ein Live-View-Display mit 921.000 Pixeln spendiert.-  Der Monitor der 1 J1 schafft es auf lediglich 460.000 Bildpunkte, obwohl er in der Diagonale ebenfalls drei Zoll (7,5 Zentimeter) misst. Als Tribut an den fehlenden Zubehörschuh verfügt sie immerhin über einen integrierten Aufhellblitz. An Schnittstellen stehen je ein USB- und HDMI-Port bereit, während die 1 V1 zusätzlich eine 3,5-Millimeter-Audiobuchse sowie einen herkömmlichen Videoausgang besitzt.

Die Nikon 1 V1 gibt es in Schwarz und Weiß
Keine peppigen Farben: Die Nikon 1 V1 gibt es nur in Schwarz und Weiß

Die Nikon 1 V1, die Nikon 1 J1 sowie die 1 NIKKOR Objektive kommen voraussichtlich Ende Oktober 2011 auf den Markt.

Die unverbindlichen Preisempfehlungen lauten wie folgt:

Nikon 1 v1 Kits (in den Farben Schwarz und Weiß)

  • 899 Euro für Nikon 1 V1 Kit (Schwarz, Weiß) mit 1 NIKKOR VR 10-30 mm
  • 919 Euro für Nikon 1 V1 Kit (Schwarz, Weiß) mit 1 NIKKOR 10 mm
  • 1.029 Euro für Nikon 1 V1 Kit (Schwarz, Weiß) mit 1 NIKKOR VR 10-30 mm und 1 NIKKOR VR 30-110 mm
  • 1.029 Euro für Nikon 1 V1 Kit (Schwarz, Weiß) mit 1 NIKKOR VR 10-30 mm und 1 NIKKOR 10 mm

Nikon 1 J1 Kits (in den Farben Schwarz, Weiß, Silber, Rot und Pink)

  • 599 Euro für Nikon 1 J1 Kit (Schwarz, Weiß, Silber, Rot) mit 1 NIKKOR VR 10-30 mm
  • 649 Euro für Nikon 1 J1 Kit (Schwarz, Weiß, Silber, Rot) mit 1 NIKKOR 10 mm
  • 759 Euro für Nikon 1 J1 Kit (Schwarz, Weiß, Silber, Rot) mit 1 NIKKOR VR 10-30 mm und 1 NIKKOR VR 30-110 mm
  • 759 Euro für Nikon 1 J1 Kit (Schwarz, Weiß, Silber, Rot) mit 1 NIKKOR VR 10-30 mm und 1 NIKKOR 10 mm
  • 809 Euro für Nikon 1 J1 Kit (Pink) mit 1 NIKKOR VR 10-30 mm und 1 NIKKOR VR 30-110 mm sowie Leder-Trageriemen und Einschlagtuch

1 NIKKOR Objektive

  • 199 Euro für 1 NIKKOR VR 10-30 mm 1:3,5-5,6 (Schwarz)
  • 249 Euro für 1 NIKKOR 10 mm 1:2,8 (Schwarz und Weiß)
  • 249 Euro für 1 NIKKOR VR 30-110 mm 1:3,8-5,6 (Schwarz und Weiß)
  • 759 Euro für 1 NIKKOR VR 10-100 mm 1:4,5-5,6 PD-ZOOM (Schwarz)

Nikon-1-Systemzubehör

  • 149 Euro für Blitzgerät SB-N5
  • 149 Euro für GPS-Empfänger GP-N100
  • 269 Euro für Bajonettadapter FT1 (kommt voraussichtlich erst im Dezember auf den Markt)

 

Testaufnahme der Nikon 1 bei schwachem Licht
Bei hohen ISO-Werten (hier: ISO 3.200) geht die Nikon 1 offensichtlich zu stark gegen das Bildrauschen vor

player.de meint:
So erfreulich Nikons Einstieg in den Markt der spiegellosen Systemkameras auch ist, bleibt der erhoffte Wow-Effekt im Großen und Ganzen leider aus. Die neuen 1er-Modelle haben zwar durchaus ihren Reiz – insbesondere die kompakte Bauweise und die ausgeklügelten Funktionen wie der „Smart Photo Selector“ oder der „bewegte Schnappschuss“, bieten sonst aber keine echten Alleinstellungsmerkmale. Zumindest lassen die vom Hersteller bereitgestellten Beispielfotos schon einmal eine tolle Bildqualität erwarten. Obwohl der Sensor im CX-Format nicht sonderlich groß ist (die Micro-Four-Thirds-Modelle von Olympus und Panasonic besitzen einen doppelt so großen Chip), bietet er eine angenehme Hintergrundunschärfe. Preislich scheinen uns die 1 J1 und 1 V1 dennoch überteuert, zumal man allein für den Preis des kleineren Modells bereits eine deutlich flexiblere Spiegelreflexkamera mit Zubehörschuh (!) bekommt.-  Einziges Kaufargument wäre also nur, dass die Digicam samt Objektiv in die Jackentasche passt.