Alles über HbbTV

HbbTV auf einem Fernseher von Philips.
HbbTV auf einem Fernseher von Philips.

HbbTV steht für „Hybrid Broadcast Broadband TV“ und ist vergleichbar mit dem altbekannten Videotext, allerdings in modernisierter Form. HbbTV ist europaübergreifend und soll ermöglichen, dass sich Internetinhalte auf dem TV-Bildschirm wiederspiegeln. Anstatt der bisher aus dem Videotext bekannten großpixeligen Schrift sollen nun auch Fotos, Videos und Grafiken sichtbar sein. Außerdem sollen durch eine Verknüpfung mit dem Internet interaktive Features möglich sein, wie zum Beispiel Bestellungen zu tätigen.
Entwickelt wurde HbbTV von den französischen Sendeanstalten Canal+, France Television und TF1, sowie dem deutschen Institut für Rundfunktechnik (IRT), SES Astra, ANT und OpenTV.

Technische Voraussetzungen

Um HbbTV empfangen zu können, benötigt man lediglich eine Internetverbindung und ein HbbTV-fähiges Empfangsgerät. Wie schon beim Videotext wird auch HbbTV mit den Farbtasten sowie den Ziffern der Fernbedienung bedient. Bei HbbTV-unterstützenden Fernsehsendern soll zukünftig am Bildrand der rote Button „Einblenden“ gezeigt werden. Gestartet wird HbbTV dann immer mit dem roten Knopf auf der Fernbedienung. „Red Button Function“ ist deshalb bereits ein wichtiger Begriff in Bezug auf das HbbTV. Die HbbTV-Angebote des öffentlich-rechtlichen Senders ARD sind zum Beispiel ein schnellerer und individuell gestaltbarer Videotext, der bald auch Bilder und Videos anbieten soll. Außerdem gibt es auch bei der elektronische Programmvorschau (EPG) eine Neuerung; so sollen hier neben Datum, Uhrzeit, Dauer und Kurzbeschreibung nun auch Trailer zu sehen sein.
Zwar ist das Empfangen von HbbTV in Bezug auf das Internet im Prinzip schon mit einem einfachen Modem möglich, jedoch empfiehlt sich vor allem für das Ansehen von Medieninhalten wie Videos und Trailern eine DSL-Verbindung.

Vorteile von HbbTV

Nun stellt sich die Frage, was HbbTV eigentlich bringt. Zunächst einmal kann man sich rund um die Sendung zusätzliche Inhalte und Informationen einblenden lassen, wie beispielsweise zu einer Kochshow das passende bebilderte Rezept mit Einkaufshinweisen oder zum Wetterbericht die aktuelle Vorhersage auf den jeweiligen Wohnort. Zudem können verpasste Sendungen einfach in einer vorhandenen Mediathek heruntergeladen werden, genauso hat man die Möglichkeit, sich Trailer anzusehen, bevor man sich für einen Film entscheidet.
HbbTV ist schnell und aufgrund der Internetverbindung interaktiv. Ein weiterer Vorteil ist, dass HbbTV kostenlos ist, wenn man sich einmal einen HbbTV-fähigen Receiver angeschafft hat. Außerdem gibt es zahlreiche Mehrwertdienste, die durch den modernen Videotext abgewickelt werden können. So sollen zum Beispiel echte Zuschauer-Votings in Quizsendungen oder ähnlichem durch einen einfachen Knopfdruck auf der Fernbedienung möglich sein. Auch der Zugriff auf beliebte Internetseiten oder soziale Netzwerke direkt am TV soll angeboten werden.

Nachteile von HbbTV

Es gibt zurzeit tatsächlich kaum Nachteile von HbbTV. Einziger Nachteil könnte sein, dass man eben einen HbbTV-fähigen Receiver oder Fernseher braucht, um das neue Format überhaupt empfangen zu können. Die Möglichkeit, durch ein Firmwareupdate ältere Geräte auf HbbTV umrüsten zu können, besteht größtenteils leider nicht. Es wird empfohlen, auf der jeweiligen Website des Geräteherstellers nachzuschauen, ob die Option des HbbTV-Empfangs besteht.

HbbTV und das IRT

Das Institut für Rundfunktechnik (IRT) gab bereits am 27.08.2009 eine Presseinformation über das neue Format „Hybrid Broadcast Broadband TV“ heraus. Demnach soll HbbTV die Verbreitung von Nachrichten-, Informations- und Unterhaltungsangeboten über Rundfunk- und Breitbandnetze verbinden. Die Stärken von Rundfunk- und Breitbandtechnik sollen hierbei nahtlos miteinander verknüpft sein. Die Angebote von HbbTV sollen für alle Rundfunkverbreitungswege entwickelt sein.
Laut Dr. Klaus Illgner-Fehns, dem Leiter des Instituts für Rundfunktechnik, nutzen täglich etwa 14 Millionen Zuschauer in den Deutschland den Videotext. Für diese soll nicht nur durch die bald vereinfachte Benutzung ein großer Vorteil entstehen.

Sender für HbbTV

Die Vorreiter von HbbTV in Deutschland waren die öffentlich-rechtlichen Sender ARD, ZDF und Arte. Auch von Pro Sieben und Sat1 werden bereits erste HbbTV-Services wie der elektronische Programmführer und ein HD-Teletext angeboten. Vom Privatsender RTL gibt es einen eigenen „HD Text“. HbbTV wird gegenwärtig außerdem von den Sendern BR-Alpha, Bayerisches Fernsehen, Phoenix, EinsPlus, Anixe SD, Anixe HD, Bibel TV, MDR Thüringen und hr-Fernsehen angeboten.
Im Laufe der Zeit sollen alle führenden TV-Sender HbbTV anbieten, so wie es auch beim altbekannten Videotext war, ab allerdings wirklich jeder Sendern den entsprechenden Aufwand betreibt und die Möglichkeiten des Standards ausschöpft, bleibt fraglich.

Unterhaltungselektronik-Hersteller

Vom Unterhaltungselektronik-Hersteller Philips gibt es bereits den Receiver „Net-TV“, welcher weitestgehend HbbTV-fähig ist. Ansonsten gibt es noch relativ wenig Auswahl an HbbTV-unterstützenden Geräten. Zu den ersten verfügbaren Receivern zählen zum Beispiel der „Humax iCord HD+“, der „VideoWeb S600“, der „Smart VX10“ sowie „CX10“ und der „Technisat Digit ISIO S1“. Aber auch namhafte Hersteller wie Loewe, Sharp, Samsung, Sony und Toshiba werden für die HbbTV-Fähigkeit in ihren neuen Geräten sorgen. Wer sich allerdings ohnehin ein neues Fernsehgerät anschaffen wollte, der wird unter Umständen überhaupt keinen zusätzlichen HbbTV-fähigen Receiver benötigen; Philips hat den Empfang in seiner Net-TV-Serie bereits integriert, außerdem haben die Markenhersteller Loewe und TechniSat angekündigt, dies in ihren neuen Geräten ebenfalls zu tun.

HbbTV oder IPTV?

Eine Alternative zum HbbTV besteht im IPTV (Internet-Protokoll-TV), dem Fernsehen aus dem Internet. Auch hier wird lediglich eine Internetverbindung sowie eine entsprechende Hardware benötigt, weshalb sich der Vergleich zwischen HbbTV und IPTV durchaus lohnt.
Beim IPTV ist der Übertragungsweg für das Fernsehen das Internet. Dies fängt beim einfachen IPTV über das Handy oder den PC an, wie es wahrscheinlich jeder schon kennt, bis hin zu speziellen Geräten, bei denen der Verbraucher im Prinzip überhaupt nicht merkt, dass er das Internet nutzt, da er eine Set-Top-Box über den Fernseher bedient. Dies wird zum Beispiel angeboten von Apple TV oder dem T-Home Media Receiver 300.
IPTV bietet wie auch HbbTV interaktive Features. Zu diesen gehören hier unter anderem elektronische Programmzeitungen, zeitversetztes Fernsehen, Video-on-Demand, Zugriff auf TV-Archive mit Sendungen der vorherigen Tage wie bei T-Entertain, Fernprogrammierung des Videorekorders via Internet, HDTV via DSL und speziell bei Entertain von T-Home Zugriff auf bestimmte Internetangebote wie das Wetter oder eBay.
Der Vorteil von IPTV ist definitiv, dass man für Internet, TV und Telefon nur einen Anbieter hat. Außerdem ist IPTV in Deutschland schon seit 2006 vorhanden. Im Gegensatz zu HbbTV ist es jedoch nicht kostenlos. Je nach Anbieter kostet es monatlich zwischen 5 und 20 Euro. Es ist zudem außer von T-Mobile nur als Komplettpaket mit DSL erhältlich. Diese Komplettpakete bewegen sich in einem preislichen Rahmen von ca. 35 bis 60 Euro.

Player.de meint: Alles in allem kann man also sagen, dass sich das HbbTV vor allem deshalb lohnt, weil man nur einen einmaligen Anschaffungspreis beim Kauf der benötigten Hardware bezahlen muss. Die Benutzung des modernen Videotextes ist völlig kostenlos und biete eine spannende Alternative zur alten Version, nicht zuletzt durch die Möglichkeit der interaktiven Teilnahme an Sendungen und Shows, was alles in naher Zukunft noch weiter ausgebaut und zugänglicher gemacht werden soll.