Das EU Universal-Ladegerät für Handys kommt – wirklich?

Entspricht bereits dem neuen EU-Universal-Ladegerät für Handys: Nokia Energiespar-Ladegerät AC-10
Entspricht bereits dem neuen EU-Universal-Ladegerät für Handys: Nokia Energiespar-Ladegerät AC-10

Gestern wurde in Brüssel das Universal-Ladegerät für Handys mit Micro-USB-Schnittstelle vorgestellt. Im ersten Moment klingt das Vorhaben sehr lobenswert: Zusammen mit den Herstellern sorgt die Europäische Kommission dafür, jedes Handy – egal welche Marke – mit dem gleichen Ladegerätetyp geladen werden kann. Damit sollen es Verbraucher leichter haben und gleichzeitig soll die Umwelt geschont werden.- Ist das Universal-Ladegerät wirklich der versprochene Heilsbringer im Chaos der verschiedensten Ladegeräte?

Am gestrigen Dienstag wurde dem für Industrie und Unternehmen zuständigen Vizepräsidenten der EU-Kommission, Antonio Tajani, von Bridget Cosgrave, Generaldirektorin von DIGITALEUROPE (größter europäischer Digitaltechnikindustrieverband) ein Prototyp des ersten Universal-Ladegeräts überreicht. Nun sollen im Laufe des Jahres kompatible Handys und Ladegeräte auf den Markt gebracht werden. Dazu haben sich insgesamt vierzehn Unternehmen bereit erklärt – man beachte die Formulierung, denn es handelt sich bei dieser Initiative tatsächlich nur um eine freiwillige Angelegenheit, nicht aber um eine Verordnung der Folge zu leisten ist.

Der „Standard“ für das Universal-Ladegerät basiert auf der erst Ende Dezember 2010 veröffentlichten Norm EN 62684. Diese wiederum fußt in erster Linie auf der bereits 2009 veröffentlichten USB- Battery Charging Specification nach der die Ladegeräte einen Ladestrom zwischen 0,5 und 1,5 Ampere haben dürfen. Je nach Größe der im Handy verbauten Akkus kann das Laden also ganz schön unterschiedlich lang dauern.

Zudem „gilt“ EN 62684 eigentlich nur für datenfähige Handys die an einen Computer angeschlossen werden können, also für Smartphones – einfachere Handys sind nicht eingeschlossen. Diese könnten aber genauso wie ältere Geräte die statt einer Micro-USB-Buchse noch über den etwas größeren Mini-USB-Anschluss verfügen, mittels eines laut Norm zulässigen Adapterkabels geladen werden. Tablets wie etwa das iPad von Apple sind übrigens auch nicht in der Norm bedacht. Laut Norm muss das Universal-Ladegerät auch kein festes Kabel mit Mikro-USB-Stecker haben. Es muss dann lediglich über eine USB Typ-A-Buchse für die Verwendung eines entsprechenden Kabels – das nicht im Lieferumfang sein muss – verfügen.

Obwohl die Norm gerade erst veröffentlicht wurde, gibt es von Nokia schon zwei Ladegeräte die ihr entsprechen: das- Reise-Ladegerät- AC-6 sowie das- Energiespar-Ladegerät- AC-10. Neben den Finnen haben sich folgende weitere Firmen zur- „Absichtserklärung zur Harmonisierung der Ladegeräte für in der EU verkaufte datenfähige Mobiltelefone“ bekannt:- Apple, Emblaze Mobile, Huawei Technologies, LGE (LG), Motorola Mobility, NEC, Qualcomm, Research in Motion (RIM), Samsung, Sony- Ericsson, TCT Mobile (ALCATEL mobile phones), Texas Instruments und Atmel.

player.de meint:
Hmm… wir sind gespannt, was aus der an sich guten Idee wird. Freiwillige Absichtserklärungen haben einfach einen entscheidenenden Nachteil: sie sind freiwillig. Ob und wie sich die Hersteller daran gebunden fühlen und welche Geräte die nicht von der Norm abgedeckt werden, zukünftig mit dem Universal-Ladegerät arbeiten, bleibt abzuwarten. Schön wäre es, wenn noch viele weitere mobile Geräte hinzukämen.