Die PlayStation 3 als 3D-Player – Was sie kann und was nicht

In Sachen 3D spielte sie den Vorreiter: Bereits seit Sommer 2010 kann die PlayStation 3 dank eines kostenlosen Firmware-Updates Spiele in 3D wiedergeben. Seit ein paar Wochen klappt das nun auch mit Blu-ray-Filmen in 3D.

Insbesondere im Vorfeld des letzten Updates zur Wiedergabe von 3D Blu-rays häuften sich die widersprüchlichen Informationen was die PS3 als 3D-Player kann und was nicht. So hieß es oftmals die PS3 könne nur in 720p ausgeben, zudem würden Java-Menüs und BD-Live nicht funktionieren. Das wollten wir genauer wissen und gingen der Sache im Labor auf den Grund.

Wir haben das kostenlose Update auf unsere aktuelle PlayStation 3 (Slim) mit 120 Gigabyte Festplatte sowie deren Vorgängerin mit 40 Gigabyte gespielt. Zudem haben wir uns im PlayStation Network- ein 30 Euro teures 3D-Spielepaket mit vier Spielen geladen und uns alle derzeit in Deutschland erhältlichen „echten“ 3D Blu-rays besorgt. Als Displays standen uns aktuelle 3D-Fernseher von LG, Panasonic, Philips, Samsung und Sony zur Verfügung. Sogar an einem Vorserienmodell des ersten 3D-Projektors, einem Sony VPL-VW90ES konnten wir die Qualitäten der PS3 in Augenschein nehmen. Als Schaltzentrale diente uns- ein AVR-3311, der 3D-fähigekleine „Bruder“ des Denon AV-Receivers AVR-4311. Im Folgenden lesen Sie wie sich die PS3 als 3D-Player macht, welche Einschränkungen es gibt und wie wir die derzeit verfügbaren Filme beurteilen.

3D-Spielevergnügen mit der PlayStation 3

Der räumliche Eindruck im Weltraumabenteuer "Super Stardust HD" beeindruckt.


Die 3D-Sammlung aus dem PlayStation Network (PSN) umfasst das Weltraumabenteuer „Super Stardust HD“, das futuristische Rennspiel „Wipeout HD“, eine um 3D-Level erweiterte Variante von „Pain“ und eine Demoversion des Geländerennens „Motorstorm 3D Rift“. Die PS3 selbst braucht für die 3D-Wiedergabe mindestens die Firmware 3.20. Zudem muss sie die automatische Erkennung des Fernsehers im Menü-Display erneut durchlaufen, ansonsten weiß sie nicht um dessen 3D-Fähigkeiten.

Automatisch geht man in den Kurven des futuristischen Rennspiels "Wipeout HD" mit dem Kopf mit.

Grundsätzlich macht die 3D-Wirkung der Spiele Spaß, auch wenn sich zumindest bei Sony Fernsehern die Bildwirkung etwas verringert, sobald man den Kopf leicht zur Seite neigt. Das liegt am etwas anderen Prinzip derShutter-Technik die Sony bei seinen Brillen anwendet. Mit den üblichen Shutter-Brillen, wie sie LG, Panasonic, Philips oder Samsung verwenden, nimmt man ein flackerndes Umgebungslicht wahr. Dieses entsteht durch- die kurzen Dunkelphasen, wenn das an- und abschaltende Shutter-Glas zusammen mit dem eingebauten passiven Polarisationsfilter verhindert, dass Raumlicht durch die Brille dringt.

Ist ein 3D-Display angeschlossen, lässt sich die Demoversion von "Motorstorm 3D Rift" auf der PS3 dreidimensional starten.

Sony verzichtet auf das Filter und lässt damit mehr Licht durch die Brille; das geschlossene Shutter-Glas blockt im Wesentlichen das polarisierte Licht des Fernsehers oder Projektors und nicht alles Licht im Raum. Damit reagiert die Brille aber empfindlicher auf jede Neigung des Kopfes: Die Farben verändern sich, Geisterbilder entstehen. Solange man den Kopf gerade hält, bringt Sonys Ansatz vor allem in Wohnzimmer klare Vorteile: Vorhandenes Raumlicht flimmert kaum mehr, und die subjektiv empfundene Helligkeit ist akzeptabel, wenn auch der Helligkeitsmesswert durch die Brille nach wie vor viel zu gering ist.

Spielspaß in 3D? Wem der Spielecharakter von "Pain" gefällt, der wird durchaus seinen Spaß an den etwas mageren 3D-Leveln haben.

Die Verschlechterung des Bildes fällt vor allem bei actionreichen Rennspielen auf, wozu das futuristische „Wipeout HD“ aus der 3D-Spielesammlung definitiv gehört. Instinktiv geht man als Spieler in den Kurven mit und neigt den Kopf – und erhält sofort die Quittung: Die Farben verblassen, hässliche Doppelkanten (Geisterkonturen) entstehen. Beim rasanten Ritt durchs Gelände mit der Demoversion von „Motorstorm“ passiert das ebenfalls. Die spärlichen 3D-Level von „Pain“ reißen nicht gerade vom Hocker, aber das gelingt der 2D-Fassung bei uns ebenfalls nicht; wir finden das Spiel einfach nicht witzig. Anders sieht es mit dem Weltraumabenteuer „Super Stardust HD“ aus,- hier gewinnt das Spiel durch die Räumlichkeit merklich an beeindruckender Optik, das Spielvergnügen steigt.

Dass die PlayStation 3 bei Spielen nur in 720p-Auflösung ausgibt, fällt in keinster Weise negativ auf. Grundsätzlich machen die Spiele in 3D mehr Spaß, aber auf Dauer ist das Spielen im Dunkeln mit störender Brille auf der Nase etwas anstrengend.

3D-Filmvergügen mit der PlayStation 3
An echten 3D-Filmen auf Blu-ray sind derzeit in Deutschland erhältlich:- „Coraline“, „Imax: Grand Canyon
Adventure“, „Kampf der Titanen“, „Ice Age 3“, „Monsters vs. Aliens“, „Monster House“ und „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“. Alle Filme werden im Gegensatz zu den 3D-Spielen in voller HDTV-Auflösung mit 1080p ausgegeben.

Ruckeln als Stilmittel: Den in Stop-Motion-Technik produzierten Film „Coraline“ gibt es derzeit nur beim Kauf des Panasonic BD-Players BDT-300 zusammen mit „Ice Age 3 – Die Dinosaurier sind los“. Das einfache Menü funktioniert problemlos. Die englische DTS-HD Master Audio-Tonspur in 5.1 gibt die PS3 im 3D-Betrieb nur in DTS 5.1 aus. Bei 2D-Wiedergabe bleibt es bei DTS-HD Master Audio. Die deutsche Tonspur liegt dagegen nur in Dolby Digital 5.1 vor und wird im 3D-Betrieb unverändert wiedergegeben.

Im Grusel-Animationsfilm dominieren genrebedingt dunkle Töne und matte Farben. Fast jede Szene spielt mit den Tiefeneffekten; teils nervt das aber. So wirkt das Esszimmer derart überzogen perspektivisch, dass der Tisch gekrümmt erscheint (Kapitel 4, Spielzeit 18:46). Netter Effekt: Bewegt man den Kopf nach links oder rechts, verschiebt sich der scheinbare perspektivische Fluchtpunkt mit.

Urteil: Befriedigend

3D-Heimkino von seiner schönsten Seite:Den ersten in Deutschland erhältlichen 3D Realfilm (also kein Trickfilm) „Imax: Grand Canyon Adventure“ gibt es frei verkäuflich im Handel, unter anderem bei Amazon. Das Menü sowie der BD-Live-Aufruf funktionieren einwandfrei. Der englische und deutsche DTS-HD Master Audio 5.1-Ton wird bei 3D-Wiedergabe nur als DTS 5.1 ausgegeben. Bei 2D-Wiedergabe bleibt es bei hochauflösendem Ton.

Der originale 70-Millimeter-Film (1,44:1) wurde für die Blu-ray auf 1,78:1 umformatiert. Eines der vielen Highlights ist die Raftingtour in Kapitel 13. Die Gischt der Wassermassen wirkt so realistisch, dass man sich unwillkürlich duckt. Spektakulär, aber auf Dauer anstrengend: Motive im Vordergrund wie das Gehölz bei Spielzeit 35:07 oder die Wasserblase im Hauptmenü wirken mit dem 3D-Projektor aufgrund ihrer Größe noch anspringender als mit 3D-TVs.

Urteil: Gut

Nur im Bundle:Zusammen mit „Coraline“ gibt es den Animationsstreifen „Ice Age 3 – Die Dinosaurier sind los“ als kostenlose Dreingabe beim Kauf des Panasonic 3D Blu-ray-Players BDT-300. Das Menü funktioniert wie bei den anderen Scheiben problemlos. Von den zusätzlichen zwei Kanälen der englischen Tonspur in 7.1 DTS-HD Master Audio bleibt genauso wenig übrig wie von der hohen Aufl ösung: Bei 3D gibt die PS3 nur DTS in 5.1 aus. Die deutsche Tonspur liegt von Haus aus nur in DTS 5.1 vor.

Teil 3 der computeranimierten Eiszeit-Saga sorgt 94 Minuten lang mit viel kindgerechter Action für Kurzweil – vor allem in 3D. Kontrastreich, bunt und hell präsentiert sich das Bild, die 3D-Effekte beeindrucken. Eines der Highlights sind die rasanten Flugszenen in einem Canyon (Spielzeit 1:09), dank der großen Sony-Bilder fühlt sich der Zuschauer mitten im Geschehen. Helle Szenen entfalten wegen der geringen Grundhelligkeit aber wenig Kraft, vor allem Rot-Töne wirken schwach.

Urteil: Befriedigend

Schwache Vorstellung:Der zweite frei im Handel erhältliche 3D Realfilm ist „Kampf der Titanen“. Das sehr einfach gehaltene Menü funktioniert wie erwartet ohne Schwierigkeiten. Die englische DTS-HD Master Audio-Tonspur in 5.1 verliert bei 3D-Ausgabe ihre hohe Aufl ösung und wird wie gehabt nur in normalem DTS ausgegeben. Die deutsche Tonspur in Dolby Digital 5.1 wird unverändert gespielt.

Helden, Könige und Monster aus der griechischen Sage geben sich in der US-Neuverfilmung ein 102-minütiges, actionreiches Stelldichein. Im Gegensatz zu Grand Canyon wurde Kampf der Titanen nachträglich dreidimensional aufbereitet, was man auch sieht. Die stereoskopischen Effekte sind im Gegensatz zum Imax-Streifen von schlechter Qualität. Viele Aufnahmen wirken scherenschnittartig und Details erscheinen oft zu dunkel.

Urteil: Ausreichend

Unterhaltsam:Den Animationsstreifen „Monsters vs. Aliens“ gibt es immer noch ausschließlich im 3D-Starterpaket von Samsung. Aufbau und Navigation des Menüs klappen wie immer, und beim Ton bleibt auch alles wie in 2D. Das liegt daran, dass sowohl die englische als auch die deutsche Spur
nur in Dolby Digital 5.1 vorliegen.

Im quirligen Animationsfilm gibt es viele Anspielungen auf verschiedene Monster- und Alien-Filme. Die 3D-Effekte wirken mitreißend und nicht aufgesetzt. Ein Highlight findet sich bei Spielzeit 27:00, wenn der gigantische Alien-Roboter von zahlreichen Raketen beschossen wird: In den Luftaufnahmen fliegen den Zuschauern die Explosions-Splitter quasi um die Ohren. Das bei kontrastreichen Szenen auf 3D-Fernsehern sichtbare Übersprechen fällt aufgrund der niedrigen Grundhelligkeit kaum auf.

Urteil: Befriedigend

Sonys neuester: Der 3D-Animationsfilm „Monster House“ ist frei im Handel erhältlich. Aufbau, Navigation und der Zugriff auf die BD-Live-Funktionen über das Menü klappen wie erwartet gut. Von der hohen Aufl ösung der englischen und deutschen Tonspur in DTS-HD Master Audio 5.1 hat man bei 3D-Ausgabe aber leider nichts. Auch hier gibt die Playstation nur den DTS-Kern aus.

Der Animationsfilm ist in „Performance Capture“-Technik entstanden, bei der Mimik und Bewegungen von Schauspielern digital erfasst und auf die Trickfilmfiguren übertragen werden. Weil das 91 Minuten lange Schauermärchen großteils in finsterer Atmos phäre spielt, muss man sich erst an das äußerst dunkle Bild gewöhnen. Dennoch überrascht es häufig mit vielen Details. Zahlreiche dynamische Kamera-Einstellungen und wechselnde Perspektiven machen das Filmerlebnis aufregend wie eine Achterbahnfahrt. Highlight: Kampf mit dem Haus in Kapitel 15.

Urteil: Befriedigend

Sonys erster:Den 3D-Animationsstreifen „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ gibt es frei im Handel oder mit Sonys 3D-Starterkit. Ohne Auffälligkeiten präsentieren sich Menü und BD-Live-Funktionen. Wie bei „Monster House“ bleibt im 3D-Betrieb jedoch die hohe Auflösung der englischen und deutschen Tonspur in DTS-HD Master Audio 5.1 auf der Strecke, die PS3 beschränkt sich wiederum auf den DTS-Kern.

Knallbunt wie in „Monsters vs. Aliens“ wirken die Bilder, ähnlich spektakulär gelingen die 3D-Effekte; fast glaubt man, die vom Himmel fallenden Burger anfassen zu können. Wie bei den anderen Animationsfilmen raubt die geringe Grundhelligkeit vielen Szenen Kraft

Urteil: Befriedigend

player.de meint:
Die 3D-Technik macht Spaß, keine Frage- – auch wenn sie auf Dauer noch ein wenig anstrengend für Auge und Hirn ist. Und was die PlayStation 3 betrifft: Schön, wenn eine bereits mehrere Jahre alte Spielekonsole durch kostenlose Software-Updates immer wieder auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden kann. Mit- keinem Blu-ray-Player der vergangenen Jahre – auch wesentlich teureren als die PlayStation 3 — ist das in vergleichbarem Maße gegeben. Dass die PS3 bei 3D „nur“ den Kern der hochauflösenden Tonformate wiedergeben kann, das lässt sich durchaus verschmerzen – Bildtechnisch macht ihr nach wie vor kaum ein anderer- Player etwas vor.