Konkurrenz für HDMI: HDBaseT überträgt Full HD- & 3D-Inhalte über LAN-Kabel

HDMI bekommt Konkurrenz: Der neue Standard "HDBaseT" liegt in Version 1.0 vor
HDMI bekommt Konkurrenz: Der neue Standard "HDBaseT" liegt in Version 1.0 vor

Die im Dezember 2009 gegründete HDBaseT Alliance, ein Zusammenschluss der drei Elektronikhersteller LG, Samsung und Sony sowie des Halbleiter-Spezialisten Valens Semiconductor, hat offiziell die Version 1.0 der Spezifikation ihres neuen HD-Übertragungsstandards „HDBaseT“ vorgestellt. Mit dieser Lösung sollen sich sämtliche Audio- und Video-Daten (AV-Signale) unkomprimiert und in bester HD-Qualität über herkömmliche Netzwerkkabel (CAT5e/6) an verschiedene Heimkino-Komponenten wie zum Beispiel AV-Receiver, Blu-ray Player sowie Flachbildfernseher übertragen lassen. Damit tritt HDBaseT in Konkurrenz zu HDMI 1.4.

Die Übertragung sämtlicher AV-Signale erfolgt über ein normales Netzwerkkabel (CAT5e/6) - dabei werden auch Full HD- und 3D-Inhalte sowie 4k-Auflösungen unterstützt
Die Übertragung sämtlicher AV-Signale erfolgt über ein normales Netzwerkkabel (CAT5e/6) - dabei werden auch Full HD- und 3D-Inhalte sowie 4k-Auflösungen unterstützt

Die hochstmögliche Bandbreite beträgt 10,2 GBit/s, ist aber angeblich auf bis zu 20 GBit/s skalierbar. Auf diese Weise eignet sich HDBaseT nicht nur für Full HD-Inhalte, sondern auch für das 3D-Format sowie zukünftige 4k x 2k-Auflösungen (4.096 x 2.160 Pixel). Der Anschluss an das jeweilige Geräte erfolgt über die gewöhnliche LAN-Buchse (RJ-45-Steckverbindung). Ebenso wie bei HDMI 1.4 können über den Ethernet-Kanal Daten mit bis zu 100 MBit/s transferiert werden. Die HDBaseT Alliance verspricht jedoch eine Skalierbarkeit auf bis zu 1 GBit/s.

Ebenso sollen sich die Daten auch nach dem USB-Protokoll transportieren lassen. Laut Entwickler unterstützt der Standard Kabellängen von bis zu 100 Metern, wohingegen bei HDMI bereits nach wenigen Metern Schluss ist. Darüber hinaus kann angeblich auch Strom mit einer Leistung von maximal 100 Watt durchgeleitet werden. Dies soll der Energieversorgung von Geräten dienen, ohne – wie immer noch üblich – von einem (externen) Netzteil Gebrauch machen zu müssen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass der Nutzer zahlreiche Heimkino-Komponenten – beispielsweise-  Blu-ray Player, HDTV-Receiver, Festplattenrekorder und Spielkonsolen – mittels HDBaseT untereinander verkabeln und so als Kette verbinden kann (Daisy Chain). Im Gegensatz zu der klassischen Sternverteilung lassen sich die Geräte auf diese Weise ohne Netzwerkrouter mit nur einem Kabel an den Fernseher anschließen. Bislang erledigen etwa ein entsprechender AV-Receiver oder ein HDMI-Switch diese Aufgabe.

HDBaseT unterstützt Kabel mit einer Länge von bis zu 100 Metern
HDBaseT unterstützt Kabel mit einer Länge von bis zu 100 Metern

Aktuell wird dieser Übertragungsstandard noch von keinem Gerät unterstützt. Die HDBaseT Alliance erwartet allerdings, dass die ersten Produkte bereits in diesem Jahr auf den Markt kommen. Bis 2011 soll es dann schon eine relativ große-  Auswahl an Komponenten mit entsprechender Schnittstelle geben. In Kürze wollen die Gründungsunternehmen auch anderen Herstellern Lizenzen anbieten. Wann das HDBaseT-Lizensierungsprogramm genau startet, wurde nicht bekanntgegeben. Kompatible Geräte beziehungsweise deren Verpackungen werden allem Anschein nach mit einem speziellen Logo versehen sein.

Die Gesamtheit aller Features (unkompromierte HD-Videos, Audio, Ethernet, Stromübertragung und Kontrollinformationen) des neuen Übertragungsstandards nennt die HDBaseT Alliance „5Play“ – vermutlich eine Anspielung an den aus der Telekommunikationsbranche bekannten Begriff „Triple-Play“ (Fernsehen, Internet und Telefon).

Einen tabellarischen Vergleich von HDBaseT 1.0 mit konkurrierenden Standards (HDMI 1.4, DiiVA und DisplayPort 1.2) finden Sie hier (PDF). Die Lösung wurde Anfang dieses Jahres erstmals auf der Consumer Electronics Show 2010 in Las Vegas vorgestellt (player.de berichtete).

player.de meint:
Die HDBaseT Alliance verspricht eine einfache Installation beziehungsweise Einbidnung des neuen HD-Übertragungsstandards in das Heimkino, da sich hierfür einfach die in den meisten Fällen bereits vorhandene Netzwerkinfrastruktur nutzen lassen soll. Im Allgemeinen klingen die Features von HDBaseT durchaus interessant und könnten dem HDMI-Standard früher oder später den Rang ablaufen. Vorausgesetzt natürlich, die neue Lösung ist keine Mogelpackung. Schließlich ruft allein die versprochene Möglichkeit, Strom mit einer Leistung von bis zu 100 Watt über das LAN-Kabel übertragen zu können, schon jetzt Bedenken hervor. Bei der sogenannten „Power over Ethernet“-Funktion (PoE) liegt die Grenze nämlich bei maximal 30 Watt. Wir sind natürlich gespannt auf die ersten kompatiblen Geräte, die noch dieses Jahr auf den Markt kommen sollen.