Fernsehen in der dritten Dimension: Was Sie über 3D-TV wissen müssen

3D ist der neue Trend im Heimkino: Player.de erklärt, wie das dreidimensionale Fernsehen funktioniert (im Bild: 3D-Fernseher Panasonic TX-P50VT20E)
3D ist der neue Trend im Heimkino: Player.de erklärt, wie das dreidimensionale Fernsehen funktioniert (im Bild: 3D-Fernseher Panasonic TX-P50VT20E)

Nachdem insbesondere James Camerons jüngstes Werk „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ als größter 3D-Kinohit aller Zeiten gefeiert wurde und einige weitere dreidimensionale Streifen die Kinokassen zum Klingeln brachten, hält die neue 3D-Technologie seit wenigen Monaten auch endlich Einzug ins heimische Wohnzimmer. Dabei scheinen insbesondere Elektronikhersteller aus Fernost künftig all ihre Hoffnungen in 3D-fähige Blu-ray Player und Fernseher zu stecken. Wie sich vielleicht schon einige Nutzer selbst überzeugen konnten, bieten die beiden Geräte in Kombination eine verblüffende Tiefenwirkung bei Filmen und Fotos – vorausgesetzt sie werden durch eine entsprechende 3D-Brille betrachtet. Setzt man diese nämlich ab, ist auf dem Display nicht viel mehr als ein verschwommenes Bild zu sehen. Doch warum ist das so? Was genau steckt hinter dem 3D-Fernsehen (kurz: 3D-TV)? Und wie gut funktioniert die Technik in der Praxis? Die Antwort auf alle Fragen finden Sie verständlich erklärt in unserem nachfolgenden Bericht inklusive Video.

Laut GfK wurden bis Ende Mai 2010 in Europa mehr als 25.000 3D-Fernseher verkauft
Laut GfK wurden bis Ende Mai 2010 in Europa mehr als 25.000 3D-Fernseher verkauft

Das Konzept mit der neuen Technologie scheint jedenfalls aufzugehen. Wie die in Nürnberg ansässige Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) jüngst verlauten ließ, wurden bis Ende Mai dieses Jahres bereits 25.000 3D-fähige Flachbildfernseher verkauft. Wohlbemerkt: Nur in Europa und das bei einer noch äußerst mageren Produktauswahl, die derzeit von gerade einmal vier Herstellern abgedeckt wird (LG, Panasonic, Samsung und Sony). Die Technik ist prinzipiell jedoch immer gleich. Durch die sogenannte Stereoskopie lässt sich bei Videos eine räumliche Tiefenwirkung erzeugen, indem die einzelnen Bilder („stereoskopische Halbbilder“) paarweise für das linke sowie das rechte Auge getrennt und im Wechsel auf dem Display angezeigt werden. Halbbilder sagt man deshalb, weil zu einem Zeitpunkt X auch immer nur einer von zwei Augenkanälen aktiv ist.

Zwei getrennte Bilder für beide Augen

Ein Infrarotsignal vom Fernseher schaltet die Gläser der Shutter-Brille abwechselnd transparent und undurchsichtig (sequenzielle Bilddarstellung)
Ein Infrarotsignal vom Fernseher schaltet die Gläser der Shutter-Brille abwechselnd transparent und undurchsichtig (sequenzielle Bilddarstellung)

In der Praxis geschieht dies allerdings so schnell (derzeit mit einer Frequenz von mindestens 48 Hertz – also 48 Bildern pro Sekunde), dass der Zuschauer mit Hilfe einer Shutter-Brille ein stereoskopisches Bild sehen kann. Ein im Gerät integrierter Infrarotsender (Prinzip einer Fernbedienung) steuert die Brillen an und schaltet dazu die Flüssigkristall-Displays in beiden Brillengläsern abwechselnd transparent und undurchsichtig. Damit es nicht zu Übersprechen (Crosstalk) kommt und das Bild nicht flimmert, muss die Synchronisation exakt stimmen. Deshalb kommen die meisten Fernseher nur mit einer 3D-Brille des gleichen Herstellers zurecht.

3D-Fernseher verfügen über einen Infrarotsender für die Shutter-Brille
3D-Fernseher verfügen über einen Infrarotsender für die Shutter-Brille

Ebenso kann nicht gewährleistet werden, dass 3D Blu-ray Player und TV-Geräte unterschiedlicher Marken miteinander kompatibel sind. Ergo sollte sich der Nutzer vor dem Kauf unbedingt bei der Service-Hotline, im Internet, durch Tests oder beim Händler informieren, um ein böses Erwachen zu vermeiden. Blu-ray Discs mit dreidimensionalen Inhalten hingegen lassen sich dank eines einheitlichen Formats in der Regel unabhängig vom Hersteller des 3D-fähigen Players abspielen oder werden zumindest nach einem entsprechenden Firmware-Update dazu in der Lage sein (player.de berichtete).

Licht und Sonneneinstrahlung als Störfaktor

Die Lichtfrequenz von Neonröhren kann die Signalübertragung zwischen Infrarotsender und -empfänger beeinflussen
Die Lichtfrequenz von Neonröhren kann die Signalübertragung zwischen Infrarotsender und -empfänger beeinflussen

Für ungetrübten 3D-Genuss in den eigenen vier Wänden sind Fensterläden, Rollos oder zumindest lichtundurchlässige Vorhänge von großer Bedeutung: Der Helligkeitsverlust von 3D-Fernsehern ist immens. Verglichen mit dem 2D-Bild bleiben im dreidimensionalen Betrieb gerade einmal 20 Prozent der Helligkeit übrig, weswegen jegliche Lichtquelle einen schlechteren Kontrast zur Folge hat. Hauptgrund hierfür ist die Shutter-Brille, deren Gläser wie beschrieben abwechselnd transparent beziehungsweise undurchsichtig sind und so schon einmal die Hälfte des Lichts verloren geht. Zudem nimmt die Synchronisation mit dem Infrarotsender des TV-Geräts eine gewisse Zeit in Anspruch. Als dritter Störfaktor kommt möglicherweise eine kurze Unterbrechung zwischen den Bildern für linkes und rechtes Auge hinzu. Das Licht sollte ohnehin ausgeschaltet werden, zumal vor allem Neonröhren wegen ihrer speziellen Frequenz die Übertragung der Infrarotsignale zwischen Brille und Fernseher stören können. Einzig Sony hat durch eigene Spezialbrillen und das Weglassen des passiven Polfilters in der Brille bessere Eigenschaften für Lichtdurchlässigkeit und Flimmern der Raumbeleuchtung. Dafür muss man aber auch mit dem Nachteil leben, dass die Brillen schon bei leichter Kopfneigung Farbveränderungen und verschlechterte Separation der Augenkanäle, also mehr Übersprechen (Crosstalk) verursachen.

3D-Fernseher – der bessere 2D-Fernseher

In der Praxis wissen 3D-fähige TV-Geräte dennoch zu gefallen. Neben faszinierenden dreidimensionalen Bildern und Videos kommen alle im Handel erhältlichen Modelle auch mit 2D-Inhalten zurecht. Die Bildqualität ist verglichen mit herkömmlichen (aktuellen) Fernsehern mindestens genauso gut, wird dank modernster Technologie und schnelleren Panels zum Teil sogar noch aufgewertet. Auf Wunsch können ein paar Geräte selbst 2D-Material in 3D umkonvertieren. Die erzielten Effekte sind zwar ebenfalls erstaunlich, doch ist die perspektivische Anordnung ab und zu fehlerhaft. So erscheinen zum Beispiel entfernte Objekte im Hintergrund gelegentlich zu nah. Zusätzlicher Wermutstropfen: Die noch relativ hohen Preise.

Eine kurze Zusammenfassung zum Thema 3D-TV sehen Sie im nachfolgenden, knapp sechsminütigen Video von unserem Partner Digital-Room, am Ende des Videos kommt auch Florian Friedrich zu Wort, er ist nicht nur Geschäftsführer des Testlabors AV T.O.P. Messtechnik GmbH, sondern steckt auch hinter unserer Plattform Player.de:

digital-room-video

Wissenswertes

Anixe HD zeigte in den vergangenen Wochen zahlreiche seiner Programme in 3D
Anixe HD zeigte in den vergangenen Wochen zahlreiche seiner Programme in 3D

Abgesehen von Astras aktuellem 3D-Demokanal oder den 3D-Experimenten auf Anixe HD gibt es derzeit noch sehr wenige Sender, die mit dreidimensionalem Programm. Das soll sich aber in Kürze ändern. Eurosport etwa kündigte Ende Mai an, baldmöglichst den 3D-Regelbetrieb zu starten (player.de berichtete). Mithilfe des sogenannten Side-by-Side-Verfahrens reicht für den Empfang von 3D-Kanälen ein herkömmlicher HDTV-Receiver aus. Ein 3D-Fernseher inklusive Shutter-Brille wird für die korrekte Anzeige aber weiterhin vorausgesetzt.

Die PS3 unterstützt bereits 3D-Spiele und soll demnächst auch 3D Blu-ray Discs wiedergeben können (Firmware-Update)
Die PS3 unterstützt bereits 3D-Spiele und soll demnächst auch 3D Blu-ray Discs wiedergeben können (Firmware-Update)

Wesentlich größer als die Auswahl an 3D-Fernsehern ist derzeit das Portfolio an 3D-fähigen Blu-ray Playern. Sogar Sonys Spielkonsole PlayStation 3 (PS3) soll demnächst über ein Firmware-Update fit für den neuen Standard gemacht werden. Wer allerdings hohen Wert auf optimalen Klang beziehungsweise HD-Ton legt, wird in den meisten Fällen um den Kauf eines 3D-kompatiblen AV-Receivers leider nicht herumkommen. Da herkömmliche Modelle die 3D-Signale nicht verarbeiten können, muss sich der Nutzer entweder für den HD-Ton oder die 3D-Wiedergabe entscheiden. Es sei denn, man nennt den Blu-ray Player DMP-BDT300 von Panasonic sein Eigen (zum Player.de-Testbericht). Das Gerät verfügt über zwei-  HDMI-Ausgänge: Der erste versorgt den 3D-Fernseher, während der zweite die Tonsignale als HDMI-Bitstream an den AV-Receiver überträgt. Mehr dazu finden Sie in unserer Newsmeldung.

Gesundheitliche Folgen des 3D-Fernsehens

Samsung warnte bereits im April vor gesundheitlichen Risiken des 3D-Fernsehens
Samsung warnte bereits im April vor gesundheitlichen Risiken des 3D-Fernsehens

Was besonders gut schmeckt, ist bekanntlich nicht immer gesund. Ähnlich verhält es sich auch beim dreidimensionalen Fernsehen. Zumindest, wenn man den von Samsung veröffentlichten Sicherheitshinweisen glaubt. Im April warnte der südkoreanische Elektronikkonzern vor negativen gesundheitlichen Einflüssen wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder epileptische Anfälle, die in Verbindung mit den 3D-Bildern auftreten können. Betroffen davon sind aber hauptsächlich Risikogruppen wie zum Beispiel alte und/oder kranke Menschen, Schwangere, betrunkene Personen und Kinder unter sechs Jahren. Weitere Details.

player.de meint:
Filmhelden zum Greifen nah, das Stadion im Wohnzimmer oder einfach nur Entertainment der nächsten Generation – so oder so ähnlich bewerben die Hersteller ihre 3D-Fernseher. Dass sich einige Nutzer offensichtlich davor scheuen, eine 3D-Brille zum Ansehen eines Films aufzusetzen, scheint da wohl eher weniger zu interessieren. Die Zahlen sprechen schließlich für sich: 25.000 verkaufte Geräte bis Ende Mai 2010 in Europa sind in Anbetracht der noch jungen Technologie kein schlechter Einstieg. Da ist es natürlich umso interessanter, das 3D-Fernsehen endlich etwas näher kennenzulernen und zu wissen, welche Technik dahintersteckt. Obwohl die 3D-fähigen TV-Geräte sicherlich noch ein hohes Entwicklungspotenzial bieten, sind die Ergebnisse unserer Meinung nach schon jetzt überzeugend: Die Bilder gefallen durch eine gleichermaßen realistische und verblüffende Tiefenwirkung im 3D-Betrieb und machen sogar in herkömmlichem 2D eine sehr gute Figur. Leider ist der Helligkeitsverlust dafür erschreckend hoch. Für einen optimalen Kontrast sollte es im Raum daher absolut dunkel sein. Apropos dunkel: Bei dem Geld, was ein komplett ausgestattetes 3D-Heimkino verschlingt, wird es dem ein oder anderen Normalverdiener sicherlich schwarz vor Augen. Der Einstieg beginnt erst im vierstelligen Euro-Bereich.