PS3: Sony erhält Sammelklage wegen „Other OS“-Deaktivierung

Wird es Ernst für Sony? Ein US-Bürger reicht wegen der "Other OS"-Deaktivierung Sammelklage ein
Wird es Ernst für Sony? Ein US-Bürger reicht wegen der "Other OS"-Deaktivierung Sammelklage ein

Gegen den japanischen Elektronikkonzern Sony wurde in den USA eine Sammelklage eingereicht. Klageführer ist der in Kalifornien lebende US-Bürger Anthony Ventura, der dem Hersteller Vertragsbruch vorwirft, da dieser eine ursprünglich beworbene, wichtige Funktionalität der PlayStation 3 absichtlich deaktiviert haben soll. In erster Linie bezieht er sich damit auf die durch die Firmware-Version 3.21 entfernte Linux-Unterstützung der Spielkonsole.

Das entsprechende Update von Sony wurde am 1. April dieses Jahres veröffentlicht und hat beim Vorgänger der PS3 Slim eine vollständige Deaktivierung des sogenannten „Other OS“-Features zur Folge (player.de berichtete). Dabei handelt es sich um die Möglichkeit, ein alternatives Betriebssystem wie zum Beispiel Linux auf dem Gerät installieren und nutzen zu können. Ventura behauptet, dass diese Option für ihn damals ein entscheidender Kaufgrund gewesen ist und er deswegen sogar bereit war, einen deutlich höheren Preis als für ein Konkurrenzprodukt zu zahlen.

Die Aktualisierung war zwar nicht verpflichtend, spielte sie der Nutzer aber nicht auf, war kein Zugang zum PlayStation Network (PSN) und somit auch kein Online-Gaming mehr möglich. Ebenso wurde die Unterstützung kopiergeschützter Videos auf Media-Servern deaktivert. Darüber hinaus ist die Firmware v3.21 Voraussetzung, um weitere Updates installieren sowie neue Spiele und Blu-ray Discs wiedergeben zu können.

In der 17 Seiten umfassenden Klageschrift wird Sony aus diesem Grund nun beschuldigt, sich durch die Entfernung von „Other OS“ einen unlauteren Wettbewerbsvorteil verschafft zu haben. So soll der Hersteller zum Beispiel gegen den in Kaliforniens Gesetz verankerten „Consumer Legal Remedies Act“ verstoßen haben, da der Kunde vor die Zwangswahl gestellt wird, entweder das PS3-Update durchzuführen oder andernfalls schwerwiegende Abstriche hinzunehmen. Ferner bemängelt Ventura die Geschäfsbedingungen, in denen sich das Unternehmens unter anderem das Recht vorbehält, bestimmte Funktionen und Dienste der PlayStation 3 zu ändern oder zu entfernen. Diese Klausel verstößt angeblich gegen -§1770 des Civil Code (Bürgerliches Gesetzbuch).

Sony soll für die Entfernung der "Other OS"-Funktion fünf Millionen US-Dollar Schadensersatz zahlen
Sony soll für die Entfernung der "Other OS"-Funktion fünf Millionen US-Dollar Schadensersatz zahlen

Der Klageführer verlangt jetzt für sämtliche US-Bürger, die sich zwischen dem 17. November 2006 und dem 27. März 2010 eine PlayStation 3 gekauft haben, Schadensersatz in Gesamthöhe von über fünf Millionen US-Dollar. Bereits Mitte dieses Monats hatte ein Kunde aus Großbritannien Erfolg: Nachdem er sich über die fehlende „Other OS“-Funktion beschwert hatte, wurden vom Versandhändler Amazon knapp 100 Euro zurückgezahlt.

Seitens Sony wurde die Entfernung des Features lediglich mit Sicherheitsbedenken begründet. Tatsächlicher Hintergrund dürfte aber sein, dass der auf Linux basierende Hack (Exploit), der im Februar vom Hacker George Hotz bereitgestellt wurde, die Unterstützung von Raubkopien auf der PS3 ermöglicht. Hotz selbst zeigte sich ebenfalls äußert verärgert über das Update und entwickelte kurzerhand eine eigene Custom Firmware (CFW), die „Install Other OS“ beibehält (player.de berichtete).

player.de meint:
Dass Anthony Ventura keinen Spaß macht, zeigt allein die 17-seitige Klageschrift: Sie wurde von einer im US-amerikanischen Bundesstaat New York ansässigen Rechtsanwaltskanzlei aufgesetzt. Sony könnte also durchaus Ärger ins Haus stehen. Ob das Unternehmen letzten Endes tatsächlich zu mindestens fünf Millionen US-Dollar Schadensersatz verdonnert wird, muss abgewartet werden. Sollte die Klage Erfolg haben, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis weitere folgen. Schließlich wurde die Entfernung des „Other OS„-Features in internationalen Internetforen massiv kritisiert. Sogar der mögliche Urheber für den Schritt, nämlich der Hacker „geohot“, machte dem Ärger in seinem Online-Blog Luft und veröffentlichte nur wenige Tage nach dem Update ein Video, in dem er seine eigene Firmware demonstriert (player.de berichtete).