Beyerdynamic: Interview und Details zur neuen Tesla-Technologie für Kopfhörer

Im Interview: Mario Gebhardt, Entwicklungsleiter für Audioprodukte bei Beyerdynamic, erklärt die Vorzüge der Tesla-Technologie für Kopfhörer
Im Interview: Mario Gebhardt, Entwicklungsleiter für Audioprodukte bei Beyerdynamic, erklärt die Vorzüge der Tesla-Technologie für Kopfhörer

Mit dem High-End-Kopfhörer T1 ist Beyerdynamic Ende des letzten Jahres eigenen Angaben zufolge ein Quantensprung in Sachen Klangqualität und audiophiler Signalverarbeitung gelungen: Das aktuelle Top-Modell der Premiumline-Serie beherbergt moderne Tesla-Technologie und soll sich so durch eine bislang unerreichte Antriebsleistung auszeichnen (player.de berichtete). Die Technik hält ab Mai auch Einzug in den T 50 p, einen speziell für den mobilen Einsatz konzipierten Kopfhörer. Statt mit einer 600-Ohm-Spule wie der große Bruder ist dieses Modell mit einer niederohmigen 32-Ohm-Spule ausgestattet, wodurch die Kompatibilität zu MP3-Playern bzw. Abspielgeräten mit wenig Ausgangsleistung gewährleistet wird. Einen absolut transparenten, räumlichen und verzerrungsfreien Klang sollen jedoch beide Kopfhörer bieten. Grund genug, uns genauer mit der vielversprechenden Technologie zu befassen.

Mario Gebhardt, Entwicklungsleiter für Audioprodukte bei Beyerdynamic, hat in einem Interview einige Fragen zur Tesla-Technologie beantwortet und die technischen Besonderheiten der neuartigen Kopfhörer-Konstruktion erklärt.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Tesla-Technologie?

„Tesla“ steht in Beyerdynamic-Kopfhörern für unsere neueste Systemtechnologie, die sich durch einen sehr starken magnetischen Antrieb und eine verfärbungsarme Wiedergabe mit niedrigem Klirrfaktor auszeichnet.

Welche Vorteile bringt der starke magnetische Antrieb für den Nutzer?

Der T1 ist mit einer 600-Ohm-Spule ausgestattet
Der T1 ist mit einer 600-Ohm-Spule ausgestattet

Er kann dazu verwendet werden, die Schwingspule, die den Schall erzeugt, filigraner zu gestalten. Das kommt dem Klang zugute, der extrem an Detailreichtum gewinnt. Andererseits kann man die zusätzliche magnetische Kraft in akustische Energie verwandeln und die Wiedergabe druckvoller, zupackender machen.

Sie gewinnen auf diese Weise also mehr Freiraum bei der Entwicklung?

Das stimmt. Im T1 nutzen wir die Magnetkraft, um eine sehr filigrane und detailreiche 600-Ohm-Spule verwenden zu können – ohne Einbußen beim Wirkungsgrad. Im T 50 p hingegen, der im Mai auf den Markt kommt, verwandelt eine niederohmige 32-Ohm-Spule möglichst viel magnetische Kraft in akustische Energie. So erhalten wir einen idealen Partner für mobile Abspielgeräte mit wenig Ausgangsleistung.

Ist zuviel Lautstärke etwa nicht schädlich fürs Gehör?

Ja, aber jedes Gerät hat einen Lautstärkeregler und Sie müssen ja nicht mit vollem Pegel hören. Das Schöne an einem hohen Wirkungsgrad ist, dass er sich auch bei niedrigen Lautstärken auswirkt. Nämlich durch einen feineren, detailreicheren Klang. Sie müssen also gar nicht so laut aufdrehen, um richtig gut zu hören.

Wie hat Beyerdynamic die höhere Magnetkraft erreicht?

Der Treiber des High-End-Kopfhöreres Beyerdynamic T1
Der Treiber des High-End-Kopfhöreres Beyerdynamic T1

Im Prinzip ging es darum, ein System zu entwerfen, welches einen möglichst verlustfreien magnetischen Fluss erlaubt. Dies haben wir durch eine neuartige Systemgeometrie erreicht, die uns ermöglicht, die Kraft die im Magneten sitzt, optimal bis zur Schwingspule zu übertragen. Bislang saß im Zentrum des Systems ein Neodym-Magnet, was seine Größe im Kopfhörer auch zwangsläufig einschränkte. Beim Tesla-Prinzip sitzt der Magnet ringförmig um die Spule herum. Das erlaubt uns, mehr Energie dorthin zu lenken, wo sie benötigt wird: Zur Membran.

Kann das starke Magnetfeld zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen?

Nein. Man darf die magnetische Feldstärke in einem Kopfhörersystem nicht mit elektromagnetischer Strahlung verwechseln. Im Kopfhörer herrscht ein statisches Magnetfeld, ähnlich dem Erdmagnetfeld, das noch dazu auf einen eng abgegrenzten Bereich konzentriert ist: Den Luftspalt mit der Schwingspule.

Und von diesem Magnetfeld dringt nichts nach draußen?

Unsere Tesla-Systeme sind ja gerade darauf optimiert, dass möglichst wenig Magnetkraft das System verlässt – das wäre wieder ein Verlust von Effizienz. Natürlich entsteht wie bei jedem Kopfhörer durch Audiosignale in der Schwingspule eine geringfügige elektromagnetische Strahlung. Diese ist aber eher geringer als in konventionellen Systemen, weil wir wegen des guten Wirkungsgrades nur wenig Strom fließen lassen müssen.

Woher kommt der besonders verfärbungsarme Klang, den Beyerdynamic verspricht?

Er ist das Ergebnis vieler Details. Besonders hervorzuheben ist der ringförmige Magnet, der es uns erlaubt, eine zentrale Bohrung direkt hinter der Membranmitte zu platzieren, um klangverfälschende Resonanzen zu minimieren. Außerdem benutzen wir eine spezielle, mehrschichtige Membran, die unerwünschte Partialschwingungen – und damit Verzerrungen – wirkungsvoll unterdrückt.

Wodurch zeichnen sich die aktuellen Tesla-Hörer von Beyerdynamic sonst noch aus?

Die Besonderheit der Tesla-Technologie ist die Bauweise als Vollmetall-System. Es verhindert, dass Teile des Gehäuses unkontrolliert mitschwingen und den Klang verfälschen. Außerdem schirmt das Metall die Konstruktion wirkungsvoll von elektrischen Störfeldern ab. In einem Tesla-Hörer bringt nur eines die Membran zum Klingen – und das ist das Musiksignal selbst.

player.de meint:
Beyerdynamic ist offenbar sehr überzeugt von der Tesla-Technologie, die ab Mai schon in zwei High-End-Kopfhörern Verwendung findet. Halten die Modelle tatsächlich, was sie versprechen, dürfen sich audiophile Nutzer dank des hohen Maximalpegels selbst bei lauter Musik auf eine verzerrungsfreie Wiedergabe freuen. Hinzu kommt ein höherer Wirkungsgrad, der einen geringeren Stromverbrauch zur Folge haben dürfte. Nichtsdestotrotz sollte man beim T1 wegen des maximalen Schalldruckpegels von 126 Dezibel vorsichtig mit dem Lautstärkeregler umgehen. Um diesen Wert zu erreichen, ist allerdings ein geeigneter Kopfhörerverstärker erforderlich. Auch die Verarbeitung des Flaggschiffs der Premiumline-Serie weiß durchaus zu gefallen, wie wir auf der IFA 2009 feststellen konnten. Das Design wirkt sehr edel und schien auch der red dot-Jury zu gefallen, weswegen sie den Kopfhörer kürzlich mit dem red dot design award 2010 ausgezeichnet hat (player.de berichtete). Wer sich gerne persönlich vom T1 und T 50 p sowie deren versprochenen Klangqualitäten überzeugen möchte, sollte Beyerdynamic auf der High End-Messe in München besuchen: M,O,C, Halle 3.0, Stand F 16.