PS3: Linux-Deaktivierung umgehen – Hacker „geohot“ mit eigener Firmware

Der 20-jährige Hacker geohot will eine eigene Firmware (CFW) auf 3.21-Basis entwickeln, die "Other OS" weiterhin unterstützt
Der 20-jährige Hacker geohot will eine eigene Firmware (CFW) auf 3.21-Basis entwickeln, die "Other OS" weiterhin unterstützt

Kaum hat Sony bekanntgegeben, dass die neue PS3-Firmware v3.21 das sogenannte „Other OS“-Feature zur Installation eines zweiten bzw. alternativen Betriebssystems (z.B. Linux) auf der Spielkonsole entfernen wird (player.de berichtete), hat sich nun der womögliche Auslöser für diesen umstrittenen Schritt zu Wort gemeldet: Der 20-jährige Hacker George Hotz alias „geohot“. Geht es nach ihm, sollen PlayStation 3-Nutzer, die den veröffentlichten Exploit (Hack) sowie die obige Funktion weiterhin nutzen möchten, das Update vorerst nicht installieren. Als Grund für die morgen erscheinende Software-Aktualisierung (1. April 2010) nannte der Hersteller lediglich „Sicherheitsprobleme“, die durch Verwendung eines anderen Betriebssystems auftreten können.

Abgesehen davon, dass die Firmware die „Other OS“-Unterstützung vollständig deaktiviert, sollen auch bereits installierte Plattformen gelöscht werden. Deswegen rät Sony in seinem Blog-Eintrag ausdrücklich dazu, vor dem Aufspielen der neuen Software ein Backup der entsprechenden Festplatten-Partition durchzuführen. Wer sich gegen das Update entscheidet, kann laut Hersteller beispielsweise nicht mehr auf das PlayStation Network (PSN) zugreifen. Ebenso wird dann die Wiedergabe von kopiergeschützten Inhalten eines Media-Servers sowie von Disc-Medien (Blu-ray Discs bzw. Spiele), die mindestens Version 3.21 voraussetzen, unterbunden.

Das Slim-Modell der PS3 bleibt vom Update auf Version 3.21 unbetroffen, da die Konsole die "Other OS"-Funktion ohnehin nicht unterstützt
Das Slim-Modell der PS3 bleibt vom Update auf Version 3.21 unbetroffen, da die Konsole die "Other OS"-Funktion ohnehin nicht unterstützt

Der bekannte iPhone- und PlayStation-Hacker geohot sieht in diesen Einschränkungen offensichtlich kein Problem, denn er kündigte in seinem Blog an, einen Weg finden zu wollen, um das „Other OS“-Feature weiterhin nutzen zu können. Konkret beabsichtigt George Hotz damit die Entwicklung einer eigenen kompatiblen und auf Version 3.21 basierenden Customer Firmware (CFW), mit der dann auch in Zukunft zum Beispiel Linux auf der PlayStation 3 funktionieren soll. „Ich habe nie geplant, eine CFW zu berühren, aber wenn das die Art ist, wie Sie (Sony) spielen wollen…“, sagte der 20-Jährige. Wichtig sei nur, dass die Sony-Software keineswegs installiert werden sollte.

George Hotz erklärte, dass die PS3 das einzige ihm bekannte Produkt ist, das im Laufe des Lebenszyklusses Funktionen verlieren würde. Als Beispiele sind die Abwärtskompatibilität (PS2-Emulator), die SACD-Wiedergabe und eben das „Other OS“-Feature aufgeführt. Zudem zeigte sich der Hacker verärgert über den Hersteller, das Feature erst zu beweben und danach wieder zu streichen. In seinen Augen seien die begründenden „Sichereheitsbedenken“ übertrieben. „Sony, ich habe mehr von Ihnen erwartet“, so geohot zum Abschluss.

Wann die Custom Firmware veröffentlicht werden soll, ist noch nicht bekannt. Alle weiteren Informationen zur kritisierten PS3-Firmware v3.21 von Sony finden Sie in unserer Newsmeldung.

player.de meint:
Der Robin Hood der modernen Zeit? George Hotz sagt Sony offen den Kampf an: Die Funktionseinbuße ist in seinen Augen nicht hinzunehmen und sei so, wie wenn Apple den gesamten Safari-Webbrowser vom iPhone löschen würde, statt ein eventuell gefundenes Sicherheitsloch zu schließen. Da es geohot als erstem Hacker überhaupt gelungen ist, die Playstation 3 vollständig zu knacken (player.de berichtete), ist wohl auch sein neues Vorhaben, eine eigene Firmware für die Spielkonsole zu entwickeln, durchaus ernst zu nehmen. Vor allem PS3-Besitzer, die das „Other OS“-Feature nutzen, dürften also wohl sehr erfreut über diese Ankündigung sein. Der 20-Jährige will damit eigenen Angaben zufolge keineswegs jegliche Art von Piraterie fördern, sondern lediglich eine Software-Version anbieten, die alternative Betriebssysteme auch weiterhin unterstützt. Zumal der von ihm veröffentlichte Exploit aus einem kleinen Linux-Programm besteht. Ein Veröffentlichungstermin für die CFW wurde bislang noch nicht genannt.