Sony PS3 vollständig geknackt: Alle Details und die Chronik des 20-jährigen Hackers geohot

Die PS3 soll vom 20-jährigen iPhone-Hacker George Hotz alias "geohot" erfolgreich geknackt worden sein
Die PS3 soll vom 20-jährigen iPhone-Hacker George Hotz alias "geohot" erfolgreich geknackt worden sein

Dem gerade einmal 20 Jahre alten Hacker George Hotz aus Cambridge (England) – im Internet besser bekannt unter dem Pseudonym „geohot“ – ist es eigenen Angaben zufolge gelungen, Sonys PlayStation 3 vollständig zu knacken. Mit dem Hack soll es unter anderem möglich sein, unlizenzierte Spiele (wie zum Beispiel Raubkopien) auf der Konsole auszuführen. Ebenso dürften sich dann durch entsprechende Modifikation bislang nicht-unterstütze Medienformate wiedergeben lassen und weitere interessante Modifikationen möglich sein. Zwar lieferte George Hotz keinen Beweis für den Hack, die Ankündigung ist aber dennoch glaubwürdig: Schon in der Vergangenheit ermöglichten seine Anwendungen den Jailbreak von Apples iPhone. Im nachfolgenden Artikel listen wir Ihnen die Meilensteine der fünfwöchigen Arbeit des Hackers auf und klären vorab die Frage, was mit der geknackten PS3 (slim) so alles möglich ist.

Samstag, 26. Dezember 2009:

Obwohl die PS3 bereits länger als drei Jahre auf dem Markt ist, konnte das System der Spielkonsole bislang nicht gehackt werden. Am zweiten Weihnachtsfeiertag kündigte George Hotz in seinem Blog an, mit den „Hack-Arbeiten“ begonnen zu haben. Nachdem er hierfür in Boston drei Wochen ausschließlich mit komplexer Software gearbeitet hat, kam zu Hause der Einsatz entsprechender Hardware hinzu. Als Ziel legte der Hacker fest, die PlayStation 3 für alle Entwickler zugänglich zu machen, um eine Modifizierung des Systems zu ermöglichen – entweder über die Software oder die Hardware (mittels Modchip). Kurz darauf erläuterte geohot den Aufbau sowie die Funktionsweise des integrierten Cell-Prozessors.

Donnerstag, 14. Januar 2010:

Fast drei Wochen später meldete der Hacker seinen ersten Erfolg: Er habe den Tag damit verbracht, diverse Manipulationen an der Gerätehardware vorzunehmen. Nach diversen Fehlversuchen am SPI-System (Serial Peripheral Interface), soll es ihm gelungen sein, die Kontrolle über den Bus Interface Controller (BIC) via FlexIO-Schnittstelle zu erlangen. George Hotz weiß allerdings noch nicht, ob dies für das Knacken des Systems relevant sein wird, da ihm der Nutzen des BIC bislang unbekannt ist. Zum Blogeintrag veröffentlichte der Hacker darüber hinaus ein Foto der Hardware.

Freitag, 15. Januar 2010:

Einen Tag darauf nahm der 20-Jährige den System-Controller weiter unter die Lupe und erklärte die Arbeitsweise der einzelnen Hardware-Komponenten. Ebenso gab Informationen zur Speicheraufzeichnung bekannt und schrieb seine Überlegungen zur weiteren Vorgehensweise nieder. George Hotz beendete den Eintrag mit der Bemerkung, dass er nun schon mehr über den Cell-Prozessor weiß, als er jemals wissen wollte…

Sonntag, 17. Januar 2010:

Die Änderungen verschiedener Werte in der Konfiguration, um die PS3 auf diese Weise zu hacken, blieben erfolglos. Jedoch erkannte der Hacker, dass der Startsektor beim Booten des Systems keine Rolle spielt. So soll die Konsole trotz Manipulation problemlos gestartet haben. Erneut spielte George Hotz mit verschiedenen Gedanken, um einige Funktionen der Hardware-Komponenten zu umgehen. Außerdem zeigte er sich über das schnelle Bus-System der PlayStation 3 verärgert.

Dienstag, 19. Januar 2010:

Mit der Bemerkung, dass die Manipulation des Speicherbus mit einem Schraubenzieher nicht zum Erfolg führen würde, kündigte der Hacker an, am folgenden Tag einen ersten richtigen Hackangriff auf das System zu starten.

Mittwoch, 20. Januar 2010:

Am späten Nachmittag veröffentlichte George Hotz einen Screenshot mit diversen Systembefehlen. Dazu schrieb er (übersetzt): „Nur weil ich den Speicherbus nicht lesen kann, heißt das nicht, dass ich es nicht mit ihm aufnehmen kann.“

Freitag, 22. Januar 2010:

Eigenen Angaben zufolge hat George Hotz nun sowohl Schreib- als auch Lesezugriff auf den gesamten Systemspeicher sowie Hypervisor-Zugang zum Prozessor. „Mit anderen Worten: Ich habe die PS3 gehackt“ – so berichtete der 20-Jährige aus England von seinem Erfolg, die Spielkonsole nach fünfwöchiger Arbeit endlich geknackt zu haben. Außerdem schrieb er, dass das System trotz des Verkaufsstarts vor drei Jahren, zwei Monaten und elf Tagen sehr sicher sei. Informationen zur genauen Vorgehensweise beim Hacken wollte er zunächst nicht veröffentlichen.

Neue Möglichkeiten für den PS3-Besitzer

Sagt der 20-Jahre junge Hacker aus Cambridge die Wahrheit (und davon ist bei der detaillierten Beschreibung und seiner Vorgeschichte auszugehen), wäre er der Erste, dem es nach mehr als drei Jahren gelungen ist, das System der PlayStation 3 zu hacken. Einen Beweis seines Erfolgs lieferte George Hotz allerdings nicht. Der Hacker ist außerdem zuversichtlich, dass es Sony nicht möglich sein wird, die von ihm gefundene Sicherheitslücke vollständig zu schließen. Damit der Hersteller ihm seine Arbeit durch eventuelle Firmware-Updates nicht erschweren kann, will er das erworbene Wissen zunächst für sich behalten. Somit gibt es für Besitzer einer PS3 kurzfristig auch keine Möglichkeit, den Hack auf dem eigenen Gerät nachzuvollziehen.

Für das Umgehen der „Systemhürden“ soll im Endeffekt allerdings keine Hardware-Manipulation (z.B. das Einlöten eines Modchips) nötig sein, wodurch der Hack in absehbarer Zeit sicherlich auch für die breite Nutzergemeinde zur Verfügung stehen wird. Ebenso könnten Entwickler die PlayStation 3 auf diese Weise selbst mit neuen Funktionen ausstatten. Eine Bestätigung seitens Sony, dass die aktuelle Spielkonsole geknackt wurde, gibt es bislang noch nicht. Welche (Firmware-)Version der PS3 der Hacker verwendet hat, ist ebenfalls noch unbekannt.

Was bedeutet der Erfolg von George Hotz für die PS3-Besitzer? Folgende Funktionen wären theoretisch durch den Hack realisierbar:

  • Ausführung von unlizenzierten Spielen bzw. Raubkopien auf der Konsole (ohne Modchip, Vorsicht: illegal!)
  • Wiedergabe von bislang nicht unterstützen Medienformaten durch Modifizierung des integrierten Sony-Players
  • Geliehene Spiele bzw. Filme lassen sich auf die interne Festplatte kopieren (Vorsicht: illegal!)
  • Hacks und Cheat-Addons für existierende Spiele
  • Ausgabe von digitalem Bildmaterial ohne Kopierschutz (Umgehung des HDCP, Vorsicht: illegal!)
  • Nutzung des Cell-Prozessors für andere Anwendungen
  • Sony-unabhängige Software als Download für die PS3

player.de meint:
Respekt! Nach nur fünf Wochen ist es dem 20-Jährigen scheinbar erstmals gelungen, das unmöglich Geglaubte möglich zu machen: Nämlich das System der PS3 erfolgreich zu knacken. Auf diese Weise würden sich den Nutzern und Entwicklern weitere Nutzungsmöglichkeiten ihrer PlayStation 3 öffnen. Einen Beweis für den Hack lieferte „geohot“ nicht. Da es ihm allerdings schon 2007 gelungen ist, einen Jailbreak bzw. SIM-Lock für das iPhone zu entwickeln (blacksn0w und Blackra1n), hat George Hotz seine fundierten Fähigkeiten als Hacker bereits unter Beweis gestellt. Um seine weitere Arbeit nicht unnötig durch eventuelle Firmware-Updates seitens Sony zu erschweren, behält der junge Mann sein Wissen erst einmal für sich. Der japanische Elektronikriese dürfte von diesem bahnbrechenden Erfolg allerdings weniger begeistert sein. Fraglich ist jedoch, wie sich der Hack verbreitet und ob er für alle Geräte tatsächlich komplett ohne Hardware-Modifikation möglich ist.