Test: Blu-ray-Player Pioneer BDP-LX91

Pioneer_Logo_Kuro Als Vorreiter in Sachen 24p-Wiedergabe hat Pioneer-  Heimkinogeschichte geschrieben. Jetzt floss das gesammelte Know How in den neuesten Blu-ray-Player der Japaner ein und schlägt sich zum Teil auch im beeindruckenden Gewicht des 15 Kilo schweren BDP-LX91 nieder. Statt zugekaufter Komponenten kommen bei Pioneer hauptsächlich Technologien zum Einsatz, die auf die Top-Receiver und Plasmafernseher des Unternehmens ausgerichtet sind. Bereits rein äußerlich lässt sich die Bestimmung nicht leugnen: Mit seiner hochglänzenden schwarzen Front fügt sich der BDP-LX91 nahtlos in die Kuro-Philosophie (Kuro = japanisch für „Schwarz“) hochwertiger Pioneer-Geräte ein. In unserem Testlabor musste der Bolide im Rahmen eines XXL-Tests zeigen, was hinter seiner Fassade steckt.

Vorteile im Überblick:

– bester, uns bislang bekannter Blu-ray Player
– sehr gutes HDTV- und Kinobild mit 24p
– ausgezeichneter DVD-Spieler
– umfangreiche Videoregler
– zwei HDMI-Ausgänge
– Bitstream-Ton per HDMI und analoger 7.1-Tonausgang

Nachteile im Überblick:
– BD-Live erfordert noch ein Firmware-Update
– Decoder für DTS HD erfordert Firmware-Update (Bitstream wird aber bereits weitergegeben)
– nicht ganz billig

Bildqualität bei Blu-ray-Wiedergabe

Wie nicht anders zu erwarten, liefert der LX91 im Testlabor nahezu ideale Ergebnisse. Die Analyse des HDMI-Frequenzgangs zeigt perfektes Auflösungsvermögen, exakte Schwarz-Weißpegel und nur leichte, zu vernachlässigende Pegelabweichungen bei der Farbcodierung. Ebenso kaum überraschend: In beiden Kinoformaten 1080/24p und 1080/60p sind flimmerfreie Bilder ohne Treppenstufen oder Sägezähne selbstverständlich. Selbst wenn Dokus oder DVDs abgespielt werden (mehr dazu unten). Das leisten bislang nur die wenigsten Player.

Perfekte Verarbeitung von HDTV-Dokumentationen
Dokumentationen in HDTV-Auflösung werden auf Blu-ray als Halbbildvideo (Interlaced) im Format 1080/50i oder 1080/60i gespeichert. Und genau damit haben die meisten BD-Player bislang so ihre Probleme: Der Videoprozessor muss hier nämlich mit intelligenten Algorithmen die Wandlung ins progressive Bildformat selbst berechnen. Aber auch her liefert der LX91 eine ausgezeichnete Bildqualität und das bereits im voreingestellten Modus „Auto 1“, der für Kino und für HD-Video gleichermaßen passt. Wer will, kann sogar noch die Qualität der Vollbilderkennung anpassen und zwischen einer sauberen Darstellung von statischen Inhalten oder einer auf Bewegung ausgerichteten Erkennung wählen. Bislang bietet kein anderer Player solch tiefgreifende Einstellmöglichkeiten.

Als bislang einziger Player den wir im Testlabor hatten, schafft der LX91 eine besonders kritische Szene auf einer Test-Blu-ray: Während einer Nahaufnahme neigt ein Model den Kopf langsam zur Seite und die dunklen Wimpern gleiten ohne jegliches Flackern über den Bildschirm. Alle anderen Player zeigten diese Testszene fast durchgängig mit flackernden Wimpern.

Professionelle Videoregler
Im Zusammenspielt mit unserem Referenzprojektor, einem von Videokoryphäe Joe Kane zusammen mit Samsung optimierten SP-A 800 B, zeigt der Pioneer Blu-ray-Bolide die im Format 1,78:1 gedrehten IMAX-Sequenzen des Batman-Abenteuers „The Dark Knight“ mit einer-  unglaublichen Plastizität und Tiefenwirkung. Bei diesem in grandioser Qualität produzierten Film wird schnell klar: Eingriffe in die Bildqualität über Pioneers Videomenü sind beim exakt-  farbkalibrierten Samsung-Projektor überflüssig.

Bei schlecht gemasterten Produktionen oder Projektoren mit Abweichungen bei der Darstellung, können die Videoregler des Pioneer dagegen Gold wert sein. So gibt es etwa in der farbkalibrierten THX-Einstellung des kontraststarken JVC HD 750 Projektors keine Möglichkeit, eine dunklere als die auf 2,2 voreingestellte Gamma-Kennlinie einzustellen. Die neunstufige, feine Gammajustage des BDP-LX91 gleicht diesen Nachteil wieder aus. Zudem kann bei Bedarf jederzeit die Bildschärfe für feinste oder mittlere Frequenzen oder die Detaildarstellung individuell nachgeregelt werden. Diverse Rausch- und MPEG-Filter komplettieren das nahezu unerschöpfliche Tuning-Arsenal des Pioneers.

Bildqualität DVD

Keine Selbstverständlichkeit bei Blu-ray-Playern ist die perfekte DVD-Wiedergabe. Aber wie fast schon nicht mehr anders zu erwarten, legt der LX91 auch hier eine perfekte Vorstellung an den Tag. Der „Pure Cinema“ Modus zeigt mit jeder unserer mit Stolpersteinen versehenen Test-DVDs in jeder noch so kritischen Szene hervorragende Resultate auf Referenz-Niveau. Da die Detail- und Schärferegler sehr fein wirken und keine groben Strukturen oder Saumkanten produzieren, können sie manch betagten Film auf DVD richtig herausputzen. So glänzen dann etwa in „Das große Krabbeln“ die Pupillen der feuchten Ameisenaugen und deutlicher als bei anderen Blu-ray-Playern treten die feinen Strukturen des Ameisenbaus hervor. Auch einzelne Mondkrater werden in der nächtlichen Lagerfeuerszene in „Gladiator“ sichtbar und die toskanischen Wiesen zeigen mehr Strukturen, ja sogar einzelne Halme sind mit dem LX91 zu erkennen. NTSC-Filme können sogar mit der Kinobildwiederholfrequenz (24p) wiedergegeben werden, normalerweise braucht man dazu im Projektor oder Fernseher aufwändige Reverse-Pulldown-Schaltungen.

Tonqualität

Der LX91 ersetzt sogar einen audiophilen CD-Player, so gut ist sein Klang. Besonders eindrucksvoll zeigt sich das im Hörtest mit Pioneers Verstärkerboliden SC-LX90. Bei analoger Zuspielung des Titels „Travel“ glaubt man Marla Glenn felsenfest vor sich stehen zu haben,-  während das dynamisch nachhallende Fingerschnippen den ganzen Raum darum herum spürbar werden lässt. Dabei klingt Marlas Stimme nie synthetisch oder rau sondern schon fast animalisch und kraftvoll stark. Auch Diana Kralls Gesang glänzt beim swingenden Titel „I-´m An Errand Girl For Rhythm“, während sie vom trocken und präzise klingenden Kontrabass begleitet wird. Bei CD-Wiedergabe ist die gute analoge Cinchverbindung also eine hochkarätige Alternative zu digital übertragenem Ton.

Digital über HDMI zugespielt beweist das Duo aus SC-LX90 und BDP-LX91 perfekte Harmonie: Bei aktivierter PQLS-Funktion (Jitter-Reduzierung von Pioneer) erscheint die räumliche Abbildung einen Tick weiter aufgespannt mit mehr Luft um die Instrumente herum. Im direkten Vergleich strahlt der analoge Stereoton dagegen etwas mehr Ruhe und Gelassenheit aus. Marla Glenns Stimme bekommt ein angenehmeres, minimal dunkles Timbre. Auf jeden Fall klingen beide Varianten einfach fantastisch. Einen kleinen Kritikpunkt haben wir aber dennoch gefunden: Vor allem über die Analogverbindung sind nach einem Kapitelsprung gelegentlich leise Knacksgeräusche hörbar.

Vollständige HD-Tondecodierung erst nach Firmware-Update
Kinosoundtracks analog auszugeben macht derzeit noch wenig Sinn. Zwar steht HD-Ton von Dolby der Bitstream-Variante klanglich nicht nach, doch bei DTS HD-Ton kann der LX 91 derzeit nur den klanglich reduzierten DTS-Kern in 5.1 wiedergeben. Deutlich hörbar ist das beispielsweise beim in DTS HD High Resolution Ton mitgeschnittenem „Laut gedacht Live Konzert“ von Silbermond, wenn Schlagzeug und Becken über die analogen Tonausgänge nur die halbe Dynamik entwickeln. Das soll sich in Kürze ändern: Pioneer will mit einem kostenlosen Firmware-Update die vollständige Decodierung nachliefern. Aktuell gibt der Player analog in 7.1 nur Dolby Digital Plus und Dolby True HD Ton sowie 7.1-PCM aus.

Features

Ebenfalls noch nicht zum Testzeitpunkt funktionsfähig: BD-Live. Zwar hat der LX91 eine Netzwerkschnittstelle, doch interaktive BD-Anwendungen über das Internet (BD-Live) wird – wie die vollständige interne Decodierung von DTS-HD-Ton für die analogen 7.1-Ausgänge- erst nach einem Firmware-Update funktionieren. Immerhin steht das Release-Datum für die „BD-Live-Firmware” aber schon fest: 31.03.2009. Ab diesem Zeitpunkt kann die Firmware kostenlos über die Pioneer-Website herunter geladen werden.

Zum Innenleben: Wie Sony beim BDP-S 5000 ES oder Denon beim DVD-3800 BD setzt auch Pioneer beim BDP-LX91 auf besonders hochwertige Komponenten, Verarbeitung und störungsfreie Signalverarbeitung. So spendierten die Japaner ihrem Player für den analogen Mehrkanalton acht Wolfson D/A-Wandler vom Typ WM 8740. Ein streuarmer Toroid-Trafo und der Lüfter sitzen abgetrennt auf der Seite, während der massive versteifte Blu-ray-Player auf nur drei Füßen absolut wackelfest auf der Unterlage steht. Beim Betrieb dringen so praktisch keine hörbaren Laufwerksgeräusche aus dem Gerät und auch der fast unhörbare Lüfter springt frühestens nach ein paar Stunden kaum hörbar an. Über die mit „Main” bezeichnete HDMI-Buchse „unterhält” sich der LX91 mittels KURO LINK Funktion auch mit anderen Pioneer-Komponenten. Im Zusammenspiel mit dem bereits erwähnten Receiver-Boliden SC-LX90 wird bei CD-Wiedergabe automatisch die PQLS-Funktion (Precision Quartz Lock System) aktiviert. Diese Technologie ist in der Lage, die durch Jitter auf der HDMI-Verbindung entstehenden Klangbeeinträchtigungen automatisch zu reduzieren, indem ein hochpräziser und synchronisierter Takt zu einer exakten Synchronisation mit dem digitalen Audiosignal eingesetzt wird.

Neben der HDMI-Main-Buchse gibt es noch eine zweite, mit der Bezeichnung Sub. Während die erste Buchse dazu dient, das Bild mit den kompletten Audiosignalen an einen AV-Receiver weiterzugeben, liefert die HDMI-Sub-Buchse nur zweikanaligen PCM-Ton und keinerlei HDMI-Steuersignale (CEC = Consumer Electronics Control). So kann beispielsweise über diese Buchse-  tagsüber der Plasmafernseher mit Stereoton laufen, während am Abend über die Main-Buchse der HDMI-Receiver mit 7.1-HD-Ton und ein Projektor versorgt wird. Das lästige Umstecken von Kabeln oder ein zusätzlicher HDMI-Verteiler wird somit überflüssig.

Bedienung

Schritt für Schritt führt bei der ersten Einrichtung ein komfortabler Setup-Navigator durch die Installation. So lassen sich die gewünschten AV-Schnittstellen bequem einstellen und am Ende mittels eines Rauschsignals die Toneinstellungen überprüfen. Die-  Installationsprozedur führt auch über den Punkt „HDMI High Speed Transmission“. Damit in der Auflösungseinstellung „Auto“ 1080p-kompatible Displays auch das progressive Signal und nicht das Halbbildformat 1080i bekommen, sollte die HDMI-Hochgeschwindigkeitsübertragung für beide Ausgänge (Main und Sub) eingeschaltet werden. Zudem werden ohne HDMI High Speed Transmission, auch wenn sie derzeit noch kaum eine Rolle spielen, keine „Deep Colour“ Signale ausgegeben.

Ambitionierte Heimkinofans dürften die 14-fach vorhandenen Videoregler zu-  schätzen wissen, denn diese stehen auch bei der 24p-Wiedergabe zur Verfügung. So lassen sich unter anderem der HDMI-Farbraum, der RGB-Kontrastumfang sowie sämtliche HDMI-Auflösungen zwischen 576i und 1080/60p oder 1080/24p manuell einstellen. Wer während der Wiedergabe die Auflösung umstellen will, der schaltet direkt über die dafür auf der Fernbedienung vorhandene Wippe „Output Resolution“ um und erhält vom Player ein klares Feedback dazu: Der LX91 liefert sogar Informationen über die

Auflösung des Quellmaterials. So hilfreich der „Setup-Navigator“ bei der ersten Einrichtung des Players auch sein mag, während des Betriebs nervt er leider gelegentlich, wenn beispielsweise nach dem Ab- und Wiederanstecken eines HDMI-Kabels ein „neues” Gerät erkannt wird oder eine nicht „bestellte” Auflösung automatisch einstellt.

Multimedia-Fähigkeiten

Kaum ein neuer Player findet sich auf dem Markt, der neben seiner eigentlichen Funktion zur Wiedergabe von DVDs und Blu-rays nicht noch ein wenig mehr drauf hat. Hier macht selbstverständlich auch der BDP-LX91 keine Ausnahme. Neben MP3-Dateien und Videos im DivX-Format zeigt er vor allem Fotos in einer erwähnenswert guten Qualität an. Bereits die Auswahl wird dadurch erleichtert, dass die Fotos von Speicherkarte oder Disc mit Vorschaubildern gezeigt werden. Die „Diashow” von hochauflösenden Bildern im Format von maximal 4.096 x 4.096 Pixel skaliert der LX91 in einer bisher selten gesehenen Skalierungsqualität auf die HDTV-Auflösung von 1920*1080 Bildpunkten herunter. Damit macht der Player den guten alten Diaprojektor endgültig überflüssig.

Testergebnisse

AUSSTATTUNG
Allgemein
Preis: 2.400 Euro
Abmessungen: 14,1 x 42 x 36,4 cm (H x B x T)
Stromverbrauch aus: kein Netzschalter
Stromverbrauch Standby: 0,4 Watt
Stromverbrauch Betrieb: 39,6 Watt

Anschlüsse
HDMI
: 2x
Component (YUV): 1x (BNC)
Scart: nicht vorhanden
S-Video: 1x
F-BAS: 1x
Digital-Ton: 1x Coax,1x Optisch
Analog-Ton: 7.1
LAN: 1x

Wiedergabe
DVD-Medien: -R/+R/-RW/+RW
Blu-ray-Medien: -R/-RE
Disc-Formate: BD/DVD/CD
Andere Formate: MP3/JPEG/DIVX/AVCHD
Info über Datenrate: numerisch/grafisch
Speicher für Bildeinstellung: 5x fest/3x frei (je 15 Settings)
24p-Ausgabe: ja
BD-Profile 1.1 (Bild-in-Bild): ja
BD-Profile 2.0 (BD-Live): nach Firmware-Update
HD-Ton als Bitstream über HDMI: ja
HD-Ton Mehrkanaldecoder: Dolby Digital Plus/Dolby TrueHD/DTS-HD nach Firmware-Update

BEWERTUNG
Sehtest: sehr gut
HDMI-Bildauflösung: 100 %
HDMI-Neutralität: sehr gut
BILDQUALITÄT sehr gut
Hörtest: sehr gut
Qualität Digitalton (Jitter): 2,66 %
Analogton Klangtreue: 0,2 dB
Rauschabstand (S/N): 96,9 dB
TONQUALITÄT sehr gut
Ausstattung: gut bis sehr gut
Bedienung: gut
Menü: gut
Material + Verarbeitung gut
Startzeit aus Standby 44 Sekunden
Einlesezeit DVD / Blu-ray 33 / 35 Sekunden
player.de GESAMTWERTUNG sehr gut

Player.de meint:

Mit dem BDP-LX91 hat Pioneer wieder einmal gezeigt, dass man bewährtes noch verbessern kann. Der BDP-LX91 führt momentan die Oberliga der besten Blu-ray-Player an. Seine herausragende Bildqualität mit der Möglichkeit effektives Bildtuning zu betreiben und der Flexibilität die die beiden HDMI-Ausgänge bieten, machen ihn zur ersten Wahl für ambitionierte Heimkinofans. Da lässt sich über die nachzureichende BD-Live-Unterstützung und interne DTS-HD-Decodierung leicht hinwegsehen. Am BDP-LX91 müssen sich ab sofort alle anderen Blu-ray-Player im Labor von player.de (AVTOP) messen lassen.

Weiterführende Links

Pioneer BDP-LX91 Produktseite
Pioneer Support-Seite für Firmware-Updates