Testbericht: Lidl MP3-Player Silvercrest DM-67 für 39,99 Euro

Wie am 27.08.08 versprochen, finden Sie hier nun den Test des Silvercrest DM-67. Dieser MP3-Player wird seit heute durch Lidl zum Preis von 39,99 € verkauft. Wir haben den MP3-Player geprüft und verraten Ihnen, ob der Silvercrest DM-67 sein Geld wert ist.

Erster Eindruck

Die Verpackung des Gerätes sieht auf den ersten Blick sehr stylisch und wertig aus. Ein genauerer Blick offenbart aber einen schiefen Aufdruck und ein billig verarbeitetes Sichtfinster. Auch die Abbildung des Zubehörs, auf der unter anderem ein englisches Netzteil abgebildet ist, trägt nicht zur Freude bei. Allerdings fallen nach dem Öffnen der Verpackung der Magnetverschluss und der samtige Einsatz positiv auf, der den eigentlichen Player beherbergt.


Silvercrest DM-67 komplett mit Zubehör.

Der Silvercrest DM-67 besitzt mit seiner Klavierlack-Optik auf der Front ein überaus modernes Design. Die aufgeraute Rückseite aus Kunststoff sorgt für den nötigen Grip. Insgesamt wirkt der Player stabil verarbeitet und wirkt keinesfalls billig. Gefallen hat uns, dass der Multi-Anschluss, der Mikrofon-Eingang und die Resetfunktion sauber beschriftet sind. In der Verpackung findet sich jegliches Zubehör, welches nötig ist, um den Player in Betrieb zu nehmen. Der erste Eindruck fällt also überwiegend positiv aus und steigert die Vorfreude auf das Gerät.

Der Silvercrest DM-67 von vorne
Lidl Silvercrest DM-67 von hinten

Features des Players

Das Besondere an dem Player ist sicherlich sein OLED-Display (organische Leuchtdioden), was auch den für einen 2GB-Player recht hohen Preis erklärt. Mit 1,5 Zoll Diagonale ist es aber nicht wirklich groß geraten und für Filme eher schlecht als recht geeignet. Insbesondere deshalb, weil das Display auf 4:3 Inhalte zugeschnitten ist und bei Filmen im 16:9-Modus deshalb noch zusätzlich an Größe einbüßt. Durch die OLED-Technologie bietet das Display in allen Blickwinkeln ein gutes Bild. Der Speicherplatz mit zwei Gigabyte ist nicht gerade üppig bemessen. Mit ein paar Filmen oder Bildern wird der Platz für Musik sehr schnell knapp. Das eingebaute Mikrofon erlaubt Aufnahmen in akzeptabler Qualität. Verbunden wird der Player mit dem PC via USB 2.0. Der Silvercrest wird unter Windows XP sofort als Wechseldatenträger erkannt und ist daher nicht auf eine Software angewiesen, um Musik zu überspielen. In der Praxis gestaltet sich der Datenaustausch als zu langsam. Das Gerät erreicht lediglich ca. 1,0 Megabyte Transferrate im Schreibmodus. Die erreichten 3,7 Megabyte im Lesemodus sind dagegen ausreichend. Beim Neustarten des Players wird ein kurzes Database-Update durchgeführt. Als Energiequelle wurde ein Li-Ion-Akku verbaut. Leider wurde -wie bei vielen anderen Playern dieser Preisklasse- auch beim Silvercrest der Akku fest verbaut. Ein Austausch ist also nicht so einfach.

Auf die Ausstattung bezogen schneidet der Player in diesem Preissegment gegenüber seinen Mitbewerbern eher schlecht ab. Geräte in diesem Segment bieten in der Regel mehr Speicherplatz und ein größeres Display – dafür aber ohne OLED.

Decoderseitig spielt der Silvercrest das MP3- und WMA-Format ab. Diese können auch mit variabler Bitrate codiert sein.
Die Aufnahmequalität des Mikrofons hat uns schlichtweg begeistert: Das Mikrofon nimmt die gesamten Geräüschkulisse im Raum auf. Sogar Gespräche in angrenzenden Räumen wurden mit aufgezeichnet. Ein 1A-Spionage-Tool also? Allerdings sollte man nicht zu nah am Mikrofon stehen. Dann nämlich verursacht die hohe Empfindlichkeit Zischlaute.
Der Silvercrest kann JPEG- und BMP-Dateien darstellen, sogar Gif-Dateien werden angezeigt. Die richtige Wirkung können allerdings nur Fotos entfalten. Grafiken z.B. verlieren durch die Skalierung (die große Auflösung des Bildes muss auf die kleine Auflösung des Displays umgerechnet werden) zu viele Detais. Im Fotomodus reagiert der Player vergleichsweise schnell. Selbst große Bilddateien (5 Megapixel) werden in ca. sieben Sekunden angezeigt. Von Bild zu Bild springen bei gleichzeitiger Musikuntermalung ist allerdings nicht möglich. Die Bilder werden in der Originalgröße auf dem Gerät behalten, es werden keine Thumbnails erstellt.

Foto: Darstellung von Videos und Fotos auf dem Lidl-Player

Filmdateien im MPEG4-Format (AVI) werden ruckelfrei absgepielt. Wie schon erwähnt ist das Display für Filme im 16:9-Format aber nicht geeignet.
Das Bild wird durch die Beschneidung sehr klein. Für Videos in 4:3-Format ist er aber ausreichend.
Film-und Musikdateien, die der MP3-Player nicht wiedergeben kann, können durch die beiliegende Software konvertiert werden. Die ist relativ einfach zu bedienen und wird in der Bedienungsanleitung gut erklärt. Dass die Software allerdings nur in englischer Sprache vorliegt, ist eine möglicherweise bittere Pille.

Das Menü des Silvercrest bietet eine Sortierfunktion nach Künstler, Alben, Titel, Genre und Jahr. Ferner erlaubt das Gerät eine Anpassung des Sounds
durch fünf Equalizer Modi. Auch die Möglichkeit, eine Favoritenliste zu bilden ist vorhanden. Diese Liste kann aber nicht verändert werden. Will man etwas aus der Liste löschen, muss die gesamte Liste gelöscht und neu angelegt werden. Das finden wir wenig praxisgerecht. Im Menü kann der Player nach eigenem Belieben angepasst werden. Auch die Helligkeit des Displays lässt sich hier einstellen.

Wiedergabe-Anzeige des Silverscrest DM-67
Der Startbildschirm des Lidl Silverscrest DM-67 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Der Player ist insgesamt softwaremäßig auf dem heutigen Standard. Lediglich das umständliche Bearbeiten der Favoritenliste und deren Limitierung auf nur eine Liste fällt negativ auf. Im Vergleich gesehen liegt der Silverscreen DM-67 in diesem Preissegment im oberen Mittelfeld.

Bedienungsanleitung

Wie bei der Verpackung fällt auch hier sofort auf: Die Anleitung wurde schief gedruckt. Das wirkt billig. Inhaltlich kann die Bedienungsanleitung aber überzeugen. Sie bietet hilfreiche Bemerkungen und Hinweise. Seitenverweise sind in großer Anzahl vorhanden und erleichtern die Benutzung erheblich. Die Bedienungsanleitung ist allerdings in ihrer chronologischen Reihenfolge nicht optimal aufgebaut. So findet man zwar unter dem ersten Punkt die Inbetriebnahme des Gerätes, aber wie das Gerät mit Musik zu bestücken ist, folgt erst im hinteren Abschnitt. Am Ende der Bedienungsanleitung finden sich Problemstellungen und deren Lösungen. Insgesamt macht die Bedienungsanleitung einen sehr guten Eindruck und sorgt für den nötigen Überblick.

Bedienung des Players

Eine sofortige Inbetriebnahme des Players war aufgrund seines vollkommen leeren Akkus im Auslieferungszustand nicht möglich. Wer macht denn sowas? Egal, dann testen wir eben später weiter… Wie in der Bedienungsanleitung beschrieben, sollte das Gerät also zuerst mindestens drei Stunden aufgeladen werden. Auspacken und loslegen ist also leider nicht möglich. Der Silvercrest DM-67 wird über ein praktisches Steuerkreuz bedient. Dieser an sich gute Ansatz wird dadurch etwas geschmälert, dass der mittige Button nicht als Bestätigungs-Button dient. Stattdessen wird über diesen Button das Hauptmenü aufgerufen, was sehr verwirrend sein kann. Sehr gut gefallen hat uns der Reset-Button. Sollte der Player also mal abstürzen, kann man ihn hier recht einfach neu starten. Die restlichen Buttons sind gut zu erreichen und fügen sich in das gelungene Design ein.

Ein Schwachpunkt ist der Multianschluss des Silvercrest DM-67. Dieser Anschluss ist die Schnittstelle für das Netzteil, die USB-Verbindung und die Kopfhörer zugleich. In der Praxis erweist sich diese Lösung als unpraktisch. So kann zum Beispiel während des Ladens keine Musik gehört werden. Am falschen Ende gespart, sagen wir da…-  Durch den Multianschluss ist der MP3-Player also auf ein bestimmtes Kabel festgelegt. Geht das mal kaputt oder verloren, muss man sich nach gleichwertigem Ersatz umschauen. Immerhin: drei Jahre Garantie auf das Gerät sollten dafür sorgen, dass die Ersatzteile eine Weile lang verfügbar sind.

Das Spezial-Kabel des Silverscreen DM-67
Das Spezial-Kabel des Silverscrest DM-67 aus der Aktion von Lidl.

Das Menü des Players ist komplett in Deutsch gehalten. Dadurch haben sich einige interessante Abkürzungen ergeben, die sich einem bei der ersten Betrachtung vielleicht nicht sofort erschließen. Oder hätten Sie hinter dem Menüpunkt „Stnd wderherst.“ die Funktion zur Wiederherstellung des Auslieferungszustandes des Lidl-Players vermutet? Davon abgesehen ist der Silvercrest intuitiv zu bedienen und sollte niemanden vor große Probleme stellen, zumal jegliche Funktion in der Bedienungsanleitung vermerkt ist.

Audioqualität

Als erstes haben wir den Kopfhörerausgang im unbelasteten Zustand, sprich als Line-Out, getestet. Genauer gesagt haben wir mit dieser Aufgabe das Testlabor AVTOP betraut. Damit stellten wir die Audioqualität des Kopfhörers beim Anschluss an eine HIFI-Anlage fest .Bei diesem Test verhielt sich der Player gut bis sehr gut. Der Pegelabfall im Bassbereich ist mit 0,7 dB zwar nur gut bis befriedigend, jedoch werten die anderen Messergebnisse den Ausgang deutlich auf. Störgeräusche, Kanaltrennung und die Verzerrungen sind im sehr guten bis guten Bereich angesiedelt. Dadurch ist eine Beeinträchtiung des Sounds durch schlechte Wandlerqualität ausgeschlossen. Wenn’s schlecht klingt-dann liegt es wahrscheinlich an Ihrer Anlage…
Der Kopfhörerausgang ist somit als Line-Out sehr gut nutzbar. Nur der geringe Audiopegel von 0,32 V (wegen einer Lautstärkebegrenzung für die Ohrhörer) kann hier beim Anschluss an eine Stereoanlage zu geringer Lautstärke führen. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn man den Lidl-Player an seine Anlage anschließt und dann auf einen anderen Eingang umschaltet (beispielsweise den CD- oder DVD-Player) dann kann der Lautstärkeunterschied auch mal Boxen oder Ohren schädigen.

Bei der Belastung des Kopfhörerausganges mit zwei 32 Ohm Widerständen (L+R) wird ein perfekter impedanzstabiler Kopfhörer simuliert. Dadurch wurden die Werte ermittelt, die bei der Belastung durch einen Kopfhörer entstehen. Leider verbleibt hier nur der Signal-Rauschabstand (90,3 dB) im sehr guten bis guten Bereich. Die Verzerrungen und der Pegelabfall im Bassbereich-  (4,8 dB) nehmen deutlich zu. Dies führt folglich zu einer hörbaren Verschlechterung des Musiksignals über den Kopfhörer.Insgesamt gesehen ist die Tonqualität am belasteten Kopfhörer-Ausgang daher nur befriedigend.

Der mitgelieferte Ohrhörer ist von deutlichen Schwächen geprägt und sollte durch ein besseres Modell ersetzt werden. Von dem lupenreinen Testsignal aus dem Audiogenerator des Testlabors AVTOP, wird vom Ohrhörer nur wenig umgesetzt. Der Frequenzgangverlauf zeigt eindeutige Schwächen im Bassbereich und eine deutliche Pegelerhöhung im oberen Grundtonbereich. Beim Anschließen des mitgelieferten Ohrhörers (Belastung anders als bei den Widerständen) an den Player verringert sich die Erhöhung im oberen Mittentonbereich deutlich, jedoch addieren sich die Pegelabfälle des Kopfhörerausgangs zu denen des Ohrhörers. Hinzu kommen noch Verzerrungen, die im Bassbereich des Ohrhörers ( < 200 Hz; siehe Abb.) hörbar sind.

Im subjektiven Hörtest können wir dem Gerät also nur einen mäßigen Klang bescheinigen. Musikstücke klingen meist sehr mittenbetont und es fehlt ihnen reichlich an Tiefbass. Hier kann nur ein hochwertigerer Ohrhörer teilweise Abhilfe schaffen, was in diesem Preissegment ein häufig verbreitetes Manko ist. Auch der tut sich aber aufgrund der Schwächen des Players bei Belastung des Kopfhörerausgangs schwer, einen neutralen Klang zu reproduzieren. Zusätzlich kamen bei Überspringen von Titeln unangenehms Knacken und Fiepsen vor. Diese Geräusche waren sehr unangehem und teils recht laut. Der Silvercrest DM-67 liegt ingesamt gesehen mit seinen Werten in Bezug auf die Soundqualität im Mittelfeld.

Fazit

Durch die minderwertigen Ohrhörer wird man beim Kauf des Silvercrest DM-67 quasi dazu gezwungen, sich direkt neue Ohrhörer zu kaufen. Mit den mitgelieferten Ohrhören kann von Klanggenuss jedenfalls nicht die Rede sein. Das kleine Display, die umständliche Steuerung und der zu geringe Speicherplatz sind nicht zeitgemäß. Auf der Habenseite kann der stylische MP3-Player eine brauchbare Video-und Bildfunktion verbuchen. Die Aufnahme-Funktion und das eingebaute Mikrofon ist zudem für einen MP3-Player sehr gut und auch die Verarbeitung überzeugt.